Gesetz und Freiheit: Über den Architekten Friedrich Wilhelm Kraemer in Düsseldorf

»Die Architektur ist in noch ganz anderem Sinn zeitgebunden wie die anderen Künste: …Deshalb kann sie nur dann lebendig zu uns sprechen, wenn in ihrem Schöpfer die Schwingungen der Zeit lebendig waren.« (Friederich Wilhelm Kraemer)

Auch wenn er die „ewigen Gesetze der Baukunst“ suchte und seinen Studenten als Hochschullehrer vermittelte, nahm sich Friedrich Wilhelm Kraemer in der Architektur doch die Freiheit, sie zu interpretieren. Bewegte Jahrzehnte lang hat er die Baukultur geprägt und in ihr eine Formensprache gefunden, die für die Neuorientierung nach dem Krieg, besonders ab den 1960er Jahren maßgeblich war. 2008 wurde sein Werk in Düsseldorf in einer Ausstellung präsentiert.

Foto: Peter Breuer

Foto: Peter Breuer

Der Architekt
Die elegante, flache, muschelartige Kuppel der Jahrhunderthalle der Farbwerke Hoechst A.G. in Frankfurt ist wohl das markanteste und bekannteste Gebäude, das der Architekt Friedrich Wilhelm Kraemer entworfen hat. 1962 wurde die Konzert- und Kongresshalle fertig gestellt. Sie ist Ausdruck von Kraemers internationaler Orientierung, die dazu beitrug, die deutsche Geschäfts-, Wohnungs-, Industrie- und Kultur-Architektur in der Nachkriegszeit neu zu profilieren. Kraemer war ganzheitlich-kulturell gebildet, seinen Arbeiten lag immer ein ethisch-ästhetisches Verständnis von Architektur zugrunde.

Neben Egon Eiermann oder Sep Ruf gehört Kraemer zu den einflussreichsten Architekten nach 1945. Fasziniert vom Baugeschehen in Skandinavien (Arne Jacobsen) und den USA (Mies van der Rohe; Eliel Saarinen; Skidmore, Owings & Merrill) war er, anders als viele Kollegen seiner Generation, stets auch um einen sensibles Vorgehen beim Bauen in historischer Umgebung bemüht. Hierfür ist der Umbau der Herzog-August-Bibliothek (1962-81) in Wolfenbüttel ein herausragendes Beispiel. Dabei ging es Kraemer um die Wahrung der überlieferten Architektur, eine deutliche Trennung von Alt und Neu sowie die Qualifizierung des Tradierten für die Gegenwart.

 

Die Ausstellung

2007 wäre Friedrich Wilhelm Kraemer (1907–1990) 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass ist sein Lebenswerk in einer Ausstellung aufgearbeitet worden. Der Architekt, der  die in der Nachkriegszeit überregional bekannte „Braunschweiger Schule“ begründet hat, hat auch in Nordrhein-Westfalen, insbesondere in Düsseldorf, seine Spuren hinterlassen. Nach seinen Plänen entstand die Landeszentralbank, heute Zentrale der Deutschen Bundesbank (1959-64), die Sparkasse (1959-64) und der Neu- und Umbau der Deutschen und Dresdner Bank (1976-90). Entwickelt hat diese erste Gesamtschau ein Ausstellungsteam um Prof. Dr. Karin Wilhelm vom Institut für Bau- und Stadtbaugeschichte, Fachbereich gtas, der Technischen Universität Braunschweig, basierend auf persönlichen Gesprächen mit Weggefährten Kraemers, der Durchsicht zahlloser Bauakten und Baupläne sowie der Sichtung seiner wenigen persönlichen Zeichnungen. Besonders die Fotos von namhaften Fotografen wie Heinrich Heidersberger haben wesentlich zu der Faszination der Architektur dieser Zeit beigetragen. Gezeigt wurden Originalpläne von Projekten und Wettbewerben, Skizzen, Aufsätze in Auszügen und Briefe. In einer rund 35-minütigen Filmdokumentation kommen Zeitzeugen zu Wort. Gezeigt wurde die Ausstellung im Haus der Architekten in Düsseldorf. Sie wurde gemeinsam von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und dem M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW präsentiert.

 

Gesetz und Freiheit – Der Architekt Friedrich Wilhelm Kraemer (1907 – 1990)

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