Durchgehen statt bleiben – was am Projekt Superkilen nicht funktioniert

Der Platz Superkilen in Kopenhagen ist auffällig, übersehen lässt er sich nicht. Doch der Superkilen sei gescheitert, wie im Blog von Garten + Landschaft zu lesen ist. Studenten des Danish Institute for Study Abroad haben die Realität der Platznutzung untersucht und mit dem vorherigen Anspruch an den Platz verlichen. Ein Überblick der Ergebnisse im M:AI-Blog. Das ist mindestens so interessant, wie in den vergangenen Jahren der Hype um den Platz groß gewesen ist. Auch das M:AI hatte in einer kleinen Themenserie auf Facebook über architektonisch interessante Plätze auf Superkilen verwiesen. Die Idee des 2012 fertiggestellten Platzes war einleuchtend einfach und zugleich komplex: Nutzer aus unterschiedlichen Milleus sollten mit dem Platz verbunden werden. Und sie sollten von Anfang an in die Gestaltung miteinbezogen werden.

Superkilen zwischen Aneigung, Integration und Dysfunktion

Der Superkilen war eines der geförderten Stadtentwicklungsprojekte in Kopenhagen, einer Stadt, die auf die Vielfalt von Kultur, Wirtschaft, Ethnien und Religion setzt. Angedacht hatten die Stadt Kopenhagen und die private Stadtentwicklungsgesellschaft Realdania einen Park, der die soziale Integration im Arbeiterviertel Nørrebro fördert. Belebt werden sollte außerdem das Gebiet und eine globale Identität schaffen wie auch die Identitäten der Anwohner berücksichtigen. Diesem Anspruch gerecht werden wollten das Team Topotek 1, Bjarke Ingels Group (BIG) und die dänische Künstlergruppe Superflex mit der Idee, Objekte auf den Platz zu setzen, die die Nationalität der lokalen Bewohner repräsentieren. So soll Aneignung stattfinden. Dass dies automatisch geschieht, ist jedoch nicht gegeben. Vielmehr eignen sich Bewohner einen Ort eher an, indem sie sich langfristig beteiligen. Wie BIG das umgesetzt hat, zeigt dieses Video:

 

Vielfalt, Angebote, Wetter und Grünpflanzen

Die Ergebnisse der Untersuchung lassen sich so zusammenfassen: Die Vielfalt des Platzes ist nicht ausgewogen, trotz der vielen vorhandenen Artefakte. Allein stark genutzt werden eine Sport- und Veranstaltungshalle, ein Spielplatz und ein Skatepark sowie der Fahrradweg. Letzter, das sei vorweg genommen, funktioniert gut. Denn er verbindet Stadtviertel – geographisch, ökonomisch und sozial. Dennoch, so schreibt Bianca Hermansen in Garten und Landschaft Mai 2016, gibt es einen Mangel an Angeboten, welche die Menschen wirklich nutzen können (die meisten der 60 Elemente sehen eine Nutzung nicht vor).
Was öffentlichen Raum ebenfalls stark beeinflusst: das Wetter. Erst recht in Dänemark. Nur hält der Superkilen wenig Schutz bereit gegen Wind, Regen, aber auch die Sonne. Die Folge ist, dass es bei bestimmten Wetterlagen wenig Gründe gibt, sich länger auf dem Superkilen aufzuhalten, denn die Elemente und Artefakte stehen mitten und exponiert im Raum. Und ein anderes Problem hat die Untersuchung zusätzlich verdeutlicht: Entweder gibt es an bestimmten Stellen zu viele Grünflächen oder zu wenig Bepflanzung. Dennoch spielt nach Befragung der Studenten ein hoher Bepflanzungsanteil eine wichtige Rolle für das positive Empfinden der Bewohner dem Platz gegenüber.

Von Anfang an eine andere Vorgehensweise

In ihrem Blogbeitrag schreiben die Autoren (Bianca Hermansen and Sophia Schuff, CITITEK; Laura Klöse), dass es besser gewesen wäre, eine Co-Creation als Methode zu verwenden, statt die Bürger bloß zu beteiligen. Und sie erklären auch warum:

Was ist der Unterschied zu Bürgerbeteiligung? Bürgerbeteiligung ist für Planer ein Mittel um mehr über die Haltungen und Meinungen der Anwohner zu erfahren und neue Ideen zu entwickeln. Sie erhöhen die Akzeptanz für ein Projekt. Die Co-Creation bezieht hingegen von Anfang an die wichtigsten Sektoren der Gesellschaft gleichberechtigt ein.

Co-Creation bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich. Die Öffentlichkeit liefert Input und fühlt sich gleichberechtigt, die Bürger fühlen sich ernst genommen. Sie werden ihre Lebensumgebung sehr viel aufmerksamer wahrnehmen. Die Regierung muss im Gegenzug sehr viel stärker auf die Bürger und die anderen Sektoren eingehen und reagieren. Sie spart im Gegenzug allerdings Kosten, denn es wird nur umgesetzt, was tatsächlich gebraucht und genutzt wird, das Risiko eines neuen Projekts ist dementsprechend gering.

Folgt man diesem Gedanken, scheint der Superkilen zum Teil verschenkt, konnte aber auch aufgrund seiner zugrunde liegenden Idee – Design erfüllt soziale und kulture Zwecke – gar nicht erst die an den Platz gestellten Erwartungen erfüllen.

> Weitere Informationen zur Untersuchung des Projekts Superkilen


Text: Timo Klippstein / Foto: Emily (FA13_Superkilen_Emily_Lavieri-Scull) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons.