Paul Schneider von Esleben: Biografie

PSE in seinem Büro in der Tersteegenstraße in Düsseldorf während eines Interviews mit Fabian Wurm vom Design Report. © Michael Lenz, Frankfurt a.M.

PSE in seinem Büro in der Tersteegenstraße in Düsseldorf während eines Interviews mit Fabian Wurm vom Design Report. © Michael Lenz, Frankfurt a.M.

23. August 1915
geboren in Düsseldorf, als zweites von sieben Kindern des Architekten und Denkmalpflegers Franz Schneider und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Esleben.
Ende der 1930er Jahre hängt Paul Schneider seinem Namen den vom Aussterben bedrohten Nachnamen der Mutter an. Er nennt sich fortan Paul Schneider-Esleben, oder kurz: PSE. In den 1990er Jahren veranlasst ihn intensive Ahnenforschung auch den Adelstitel der Familie Esleben wiederzubeleben: Paul Schneider von Esleben.

1937-1939
beginnt PSE das Architekturstudium an der TH Darmstadt.

Oktober 1939 – Januar 1940
wird PSE zur Wehrmacht eingezogen, absolviert eine Kampffliegerausbildung und einen „Propaganda-Kompanie-Zeichner-Kurs“. Er ist an verschiedenen Luftwaffenstützpunkten stationiert. Im Januar 1945 wird PSE bei einem Einsatz als Fallschirmaufklärer im ostpreußischen Gumbinnen (Gussew) schwer verwundet.

14. Oktober 1946
er heiratet auf der Künstlerinsel Höri am Bodensee Evamaria van Diemen-Meyerhof (1922-2007).
Kinder: Florian (*1947), Claudia (*1949) und Katharina (1955-2002)

1946-1947
schließt PSE sein Architekturstudium an der TH Stuttgart ab.

1947-1949
arbeitet PSE als externer Mitarbeiter für das Architekturbüro von Rudolf Schwarz u.a. am Wiederaufbau des Gürzenich in Köln.

1948
nach dem Tod des Vaters übernimmt PSE das Architekturbüro zunächst auf Schloss Lembeck im Münsterland, verlegt das Büro aber schon bald in die wirtschaftlich aufstrebende Rheinmetropole Düsseldorf.

1950-1951
entsteht das erste Wohnhaus der Familie Schneider-Esleben mit angegliedertem Büro in der Golzheimer Siedlung im Norden Düsseldorfs.

1953
eröffnet die international viel beachtete Haniel-Garage.
Mit dem Bau der Garage, dem Zatra-Haus (1953-1954), der Rochus-Kirche (1952-1955) und dem Mannesmannhochhaus (1954-1958) präsentiert sich PSE als ein moderner, an die internationale Architektur anknüpfender Architekt in der durch den „Architektenstreit“ polarisierten  Düsseldorfer Architektenschaft.

1956
erhält er den Großen Kunstpreis des Landes NRW in der Sektion Architektur. In diesem Zusammenhang überträgt man PSE den Direktauftrag für den Bau des Köln-Bonner Flughafens (1963-1970).

1961-1971
geht er einer Professur für Raumstruktur an der Hochschule für bildende Kunst (HfbK) in Hamburg nach.

1965
bezieht PSE ein größeres Büro auf dem Dach des von ihm errichteten Wohn- und Bürohauses in der Tersteegenstraße in Düsseldorf.
Die 1950er und 1960er Jahre sind die intensivste Schaffensperiode im Werk des Architekten. Neben der Arbeit an typologisch sehr unterschiedlichen Bauwerken, beteiligt er sich an zahlreichen Wettbewerben. Im Zusammenhang mit Bauprojekten entstehen Möbelserien u.a. der bekannte, im Mannesmannhochhaus verwendete Kugelrohrsessel „Sputnik“, der ARAG-Sessel und die Schulmöbel für die Rolandschule. PSE fertigt Schmuckstücke und fixiert in kleinformatigen Skizzenbüchern in Aquarell oder Tusche unermüdlich Eindrücke von seinen ausgedehnten Reisen in die USA, nach Japan, Hawaii und ans Mittelmeer.

1973
erwirbt PSE an der süd-provenzalischen Mittelmeerküste bei Saint-Tropez ein altes Weingut, die „Vieille Bastide Blanche“. Einen Teil der historischen Gebäude saniert er mit Hilfe lokaler Handwerker und errichtet auf dem Gut ein eigenwilliges Erdhaus, den Octopus

1984
erwirbt er den denkmalgeschützten Grünlandhof aus dem 15. Jahrhundert im bayrischen Fischbachau und saniert ihn.

1987
überreicht man ihm das Große Bundesverdienstkreuz.

1993
bekommt er die Ehrendoktorwürde der RWTH Aachen verliehen.

1993-94
zählt der Wettbewerb für den Neubau des ARAG-Hochhauses (der Vorgängerbau nach Entwürfen von PSE war 1991/92 abgerissen worden) zu seinen letzten großen Projekten.

1996
mit 80 Jahren lässt sich PSE scheiden und heiratet Anne Margarete Müller (*1942).

19. Mai 2005
stirbt PSE auf seinem Gut in Fischbachau am Engelsberg.

 

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