Limp

Die zwei Teile der Kunstinstallation „Limp“ von Gereon Krebber am neuen Gesundheitscampus NRW der Hochschule für Gesundheit (hsg) in Bochum sind nicht übersehbar. Die deformiert wirkenden Hüllen der Skulpturen aus patinierter Bronze zieren seit Mitte 2016 die dortige Terrasse.  

Als weiße Kuben geformt reihen sich die neugebauten Gebäude des Gesundheitscampus NRW seit 2015 geradlinig entlang der 150 Meter langen Freiterrasse im Süden der Anlage auf. Auf selbiger Terrasse finden sich die zwei massiven, jeweils drei Tonnen schwere Bronzeskulpturen; die eine stehend, die andere auf der Freitreppe liegend.

Körperhaftes im Kontrast

Der Titel „Limp“ ist ein Wortspiel. Beide wörtlichen Übersetzungen aus dem Englischen „Körperglied“ und „schlaff“ treffen auf die Idee hinter dem Wettbewerbsvorschlag zu. Wie ein imaginärer Querschnitt durch ein Körperteil, zum Beispiel durch einen Arm oder einen Finger, soll es sein. Während der aufrecht stehende Teil der Skulptur einen schwarzen Block umfasst, bildet der liegende Skulpturteil nur eine verformte schlaffe Hülle.

„Denken Sie sich ein mittleres Stück vom Finger. Halbieren Sie dieses der Länge nach. Eine Hälfte ist ohne Knochen – weich, schlaff und instabil. Diese liegt vorne an der Treppe. Die andere Hälfte mit Knochen hingegen bleibt stabil, aufrecht. Hier geht es um das Körperhafte, um Körper und Gesundheit. Und um die plastische Genese von Architektur im Kontext zum Kunstwerk“, erläuterte Gereon Krebber die Ideenfindung seines Skulpturenpaares bei der Einweihung. (Mehr dazu im Gastbeitrag von Krebber im M:AI-Blog)

Mit seinem Werk ging der Kölner Künstler 2013 unter sechs Künstler und Künstlerinnen als Sieger hervor aus einem vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Dortmund ausgelobten Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des Gesundheitscampuses NRW in Bochum. Die plastischen Kraft seiner Installation überzeugte die Jury ebenso wie die Wahl des traditionellen Materials Bronze.

Das Kunstwerk ist öffentlich zugänglich.

 

 

LIMP, 2016, GESUNDHEITSCAMPUS NRW BOCHUM

Angaben zur Kunst

Material: Bronze, zweiteilig

Maße:

Teil 1 (stehend auf Terrasse); H: 4,3 m
Teil 2 (liegend auf Freitreppe); L: 4,5 m

Technik: Bronzeguss

Künstler:

Gereon Krebber, Köln

Der 1973 in Oberhausen geborene Bildhauer Gereon Krebber studierte zunächst von 1994 bis 2000 an der Düsseldorfer Kunstakademie, u.a. bei Tony Cragg und Hubert Kiecol und anschließend am Royal College of Art in London, wo er 2002 seinen Master in Fine Art Sculpture ablegte.

Krebber lebt und arbeitet in Köln und hat seit 2012 eine Professor an der Kunstakademie Düsseldorf inne.

 

Angaben zum Verfahren

Auftraggeber:
Land Nordrhein-Westfalen
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Dortmund

Art des Verfahrens: 
beschränkter Wettbewerb, 2012 – 2013

Bildrechte:
Gereon Krebber
M:AI NRW

Angaben zur Architektur

Baumaßnahme:
Neubau des Gesundheitscampus der Hochschule für Gesundheit, Bochum

Standort:
Hochschule für Gesundheit
Gesundheitscampus NRW
Gesundheitscampus 6-8
44801 Bochum


Planungs- und Bauzeit:
seit 2010/ 2012 – 2015

Architekt:
Léon-Wohlhage-Wernik Architekten, Berlin 

Beschreibung:

Die seit 2009 existierende Hochschule für Gesundheit bekommt mit dem Gesundheitscampus NRW nicht nur einen neuen Standort, sondern auch eine im deutschen Gesundheitswesen neue und einzigartige Plattform. Entstehen soll ein Ort des vernetzten und gebündelten Forschens, Lehrens und Lernens.

Die vorgelagerte 150 Meter lange Campusterrasse ist das zentrale Element an der Hangkante. Alle Baukörper wenden ihr Gesicht der Terrasse zu, wo sich die Hauptzugänge befinden. Die Terrasse dient somit sowohl als ein Verbindungselement, das die verschiedenen Bereiche miteinander verknüpft, als auch als dezentrale Anlaufstelle mit Bezug zur Umgebung. Als Schnittstelle zwischen Forschung und Freiraum vermittelt sie als eine Art Vorplatz zwischen der Architektur auf der einen und der Landschaft auf der anderen Seite.
Mensa, Bibliothek und zentrales Veranstaltungszentrum sind in einem Baukörper im Zentrum der Anlage zusammengefasst. In den anderen Gebäuden sind Hörsaäle, Veranstaltungsräume und Forschungseinrichtungen untergebracht.

In seiner großzügigen Struktur und Bedeutung unterscheidet sich der Gesundheitscampus erheblich von anderen Instituts- und Verwaltungsbauten. Große, markante Glasflächen stehen im Kontrast zur geschlossenen Fläche, stellen die einzelnen Gebäude als Solitäre heraus. Alle Gebäude auf dem Campus sind in Weiß gehalten. Weiß als Grundfarbe fasst den gesamten Campuskomplex als eine Art „White City“ zusammen und will darüber hinaus das Grundthema vermitteln: Gesundheit.

> Weitere Kunst-am-Bau-Projekte gibt es auf „Kunst und Bauen in NRW“