Leicht wie ein Kartoffelchip: die neue Skulpturenhalle von Thomas Schütte

Der Künstler Thomas Schütte hat sich eine Skulpturenhalle nahe der Museumsinsel Hombroich bei Neuss gebaut. Nun ist sie eröffnet worden. Ein Besuch.

Alles beginnt mit einem Kartoffelchip. Ein Kartoffelchip, der auf einer Streichholzschachtel liegt. Fertig ist der frühe Entwurf, ein kleines Modell und die Idee, welche die neu eröffnete Skulpturenhalle des Bildhauers und Zeichners Thomas Schütte skizziert. Wer nun auf das fertige Endergebnis blickt, findet die ausformulierte Halle am Rande von Neuss wieder, in der Nähe der Raktenstation Hombroich und der Langen Foundation. Zwischen gepflanzten Bäumen und aufgelockerter Erde steht sie, ziemlich erhaben und oval – und hebt sich deutlich aus der ebenen Landschaft hervor.

 

Die Skulpturenhalle von Künstler Thomas Schütte bei Neuss. Foto: Klippstein

Die Skulpturenhalle von Künstler Thomas Schütte bei Neuss. Foto: Klippstein

 

Architektur zwischen Ausstellungsraum und Arbeitstätte

Thomas Schütte hat dort mithilfe der ausführenden Architekten Rhode Kellermann Wawrowsky aus Düsseldorf mehrere Dinge umgesetzt. Dient die Halle ihm doch als Ausstellungsraum, wie jetzt zur Eröffnung für die Kunst von Mario Merz (bis 14. August). Zugleich ist im Kellergeschoss der Skulpturenhalle das Lager für Thomas Schüttes Kunstwerke eingerichtet. Die Skulpturenhalle ist auch Arbeitsstätte und Atelier. Finanziert hat er das Projekt mit der dafür gegründeten Thomas Schütte Stiftung.

 

Erhebt sich sanft über das Feld: die Skulpturenhalle von Thomas Schütte. Foto: Klippstein.

Erhebt sich sanft über das Feld: die Skulpturenhalle von Thomas Schütte. Foto: Klippstein.

 

Interessant ist aber nicht nur, wie Schütte das Gebäude nutzt und für andere öffnet. Spannend ist auch die Architektur selbst. Über einem geschlossenen ovalen Betonkörper, der mit Holzlamellen verkleidet ist, kragt das Dach aus. Immer noch in der Anmutung leicht wie der Kartoffelchip (wenn auch etwas weniger geschwungen als in frühen Entwürfen), liegt die hölzerne Dachkonstruktion auf. Da der geschlossene Baukörper oben zum Dach hin mit einem umlaufenden Fensterband abschließt, scheint das Dach gleichsam zu schweben.

Die Halle in der Halle

Interessanterweise enthält das Oval im Innern einen zweiten Raum, der sich zur Halle öffnet. Dunkle Backsteine kontrastieren dort mit der lichten Skulpturenhalle. Der kleine Raum schirmt Besucher vom Außen ab und stellt einen zweiten Ausstellungsraum dar – eine Art Cella, die in antiken Tempeln das Heiligtum umschlossen. Licht fällt durch einen Okulus in diesen umschlossenen Raum.
Neben der Skulpturenhalle liegt das Verwaltungsgebäude, eigenständig und ebenfalls mit dunklen Backsteinen versehen. Dort finden sich neben der Kasse auch Kuratorenräume und eine Bibliothek. Markant: eine Art Schornstein, auf das Dach aufgesetzt, dient als Lichtfang.

 

 

Produktion, Präsentation, Repräsentation

Viele Referenzen zu früheren Modellen von Thomas Schütte finden sich in der Skulpturenhalle wieder. Das Entwerfen von Bauten ist für ihn dabei eine wiederkehrende Beschäftigung, die aber früher eher einer poetischen, imaginären Arbeit entsprach. Der Anspruch zu bauen, begleitet ihn jedoch fortwährend. Das zeigt sich für Schütte besonders in dem Entwurf für einen Eispavillon, der für die Documenta 8 im Jahr 1987 aus einem Modell zu einem nutzbaren Gebäude wurde. Ab den 2000er Jahren verfolgte der Künstler die Arbeit konkreteren Typen – Ferienhaus, Tankstelle, Teehaus, One Man House. Ausgehend von diesen Modellen errichteten Architekten daraus schließlich Häuser für private Interessenten.

Die Skulpturenhalle selbst ist vieles: Atelier, Monument, vielleicht auch Festung und Rückzugsraum – ein Künstlerhaus in dem sich Produktion, Präsentation und Repräsentation vereinen. Unterschiedliche Funktionen und Formen treten bei der Skulpturenhalle hervor, aber sie ist eines auf jeden Fall: ein Bauwerk, in dem man sich gerne aufhält.