„Kunst am Bau“: Ein Plädoyer zur Auseinandersetzung

„Kunst und Bau“1 polarisiert. Für die einen ist es schmückendes Beiwerk zur Architektur, für die anderen ist es eine interessante Gegenüberstellung von Kunst zur Architektur. Die Fürsprecher nennen es eine bitter nötige und identitätsstiftende Auseinandersetzung mit Baukultur. Die Gegenposition sieht darin den zusätzlichen Kostenfaktor im Bauprozess und schließt nachhaltige Effekte als nicht berechenbar zunächst einmal aus.

Was bedeutet der Gesellschaft die Auseinandersetzung zwischen Kunst und Bau?

Man kann schon auf den Gedanken kommen, dass die Auseinandersetzung zwischen Künstlern und Architekten nicht mehr so gefragt ist. Geht es doch nur um umbauten Raum in Rathäusern, Hochschulen, Gefängnissen, Justizzentren oder anders: um öffentliche Bauten, die allen offen stehen. Es sind Räume, die neben ihren klar erkennbaren Funktionen auch immer Spiegel der Gesellschaft sind. Was bedeutet also unserer Gegenwartsgesellschaft diese besondere Form der Auseinandersetzung noch?

Fakt ist, dass „Kunst und Bau“ nicht mehr in Nordrhein-Westfalen stattfindet, obwohl es Teil der derzeit gültigen baupolitischen Ziele des Landes ist. Wer hierzu das Gespräch mit dem öffentlichen Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes sucht, findet ein „Ja…, aber …“ und wird schnell mit den ökonomischen Zwängen und der Funktionalität des Bauprozesses konfrontiert.

Andere Länder, andere Wege zu Kunst und Bau

Die „Öffnung zur Kunst“ ist dem viel gepriesenen Gesetz zur Kulturförderung des Landes NRW vorangesetzt worden. Doch im Prozess, der aktuell dieses Gesetz mit Leben zu füllen hat, ist „Kunst und Bau“ ein absoluter Exoten und rangiert unter ferner liefen. Dabei ist interessant, dass andere Länder, welche sich in ähnlichen finanziellen Lagen befinden, Wege gefunden haben, „Kunst und Bau“-Projekte zu ermöglichen – ohne Mehrkosten zu erzeugen und Bauherren zu verärgern. Beispiele sind etwa in Deutschland Rheinland-Pfalz oder in Österreich das Bundesland Salzburg mit seinem Fonds zur Förderung von Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum. Im Gegenteil: Vielen dieser Projekte wird eine nachhaltige Wertigkeit zugesprochen, eine stärkere Identifikation mit den Nutzern nachgesagt und eine interessante Auseinandersetzung unterstellt.

Aktuelle Neubauten des Landes NRW zum Beispiel in Gelsenkirchen oder Bochum lassen die baupolitische Aufgabe vermissen, „Kunst am Bau“ in den Bauprozess zu integrieren. Sollte die Auseinandersetzung zwischen Kunst und Architektur weiter verloren gehen, wird weit mehr negiert als eine effektive Künstlerförderung, die circa 100 Jahre herausragende Erscheinungsbilder hat entstehen lassen. Wenn „Kunst und Bau“ nicht mehr zusammenfinden kann, um sich auseinanderzusetzen, stellt sich eine Frage weniger zur Baukultur unserer Städte. Zu dem Ort, wo wir leben, zu dem Raum, in dem wir leben wollen.

 

Text: Peter Köddermann, Projektleiter des M:AI / Foto: Archiv, M:AI


1 Die Begriffe „Kunst und Bau“ sowie „Kunst am Bau“ werden beide in diesem Text verwendet. Während „Kunst am Bau“ die tradtionelle Künstlerförderung beschreibt und auf frühere Bauaufgaben verweist, definiert der neue Begriff „Kunst und Bau“ die Auseinandersetzung von Kunst und Architektur auf Augenhöhe

 

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