Küche – Diele – Bad: Wohnen im Wandel

Wohnbautypologien und Wohngrundrisse sind stets ein Spiegel der Gesellschaft. Im 20. Jahrhundert war der Massenwohnungsbau eine der zentralen Herausforderungen in ganz Europa. Die Wohnungsfrage war nicht nur ein Thema der Quantität, sondern auch ein gesellschaftliches Problem. Die Weimarer Verfassung von 1919 verbürgte zum ersten Mal „allen“ das Recht auf eine menschenwürdige Wohnung. Damit übernahm der Staat die Verpflichtung, ein gemeinwirtschaftliches System der Wohnungsversorgung aufzubauen.

Das traditionelle Wohnmodell verändert sich

Die Wohnungsfrage konnte nur im großen Maßstab und in neuen Siedlungsanlagen bewältigt werden. Die abgeschlossene Familienwohnung wurde zum Ideal des Wohnens und ist es bis heute geblieben. Die derzeit gegensätzliche Situation einer zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft und dem neu erwachenden Bedürfnis nach Gemeinschaft stellt dieses Wohnmodell jedoch in Frage. Zurzeit wird mit sogenannten Cluster-Wohnungen vor allem im genossenschaftlichen Wohnungsbau experimentiert. Eine Kombination aus Privaträumen und gemeinschaftlich zu nutzenden Flächen ist eine neue Antwort auf veränderte soziale Strukturen über die klassische Familie hinaus.

 

> Weitere Informationen zu „Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar.“

Titelfoto: Musterwohnung, GAG Siedlung, Köln, um 1920. © GAG, Köln; Foto: Hugo Schmölz