Handlungskonzept Wohnen – wie erleben Städte den Wohnungsmarkt und wie reagieren sie?

(…) Städteplaner denken in anderen Dimensionen. Wohnungsbaukonzepte und -strategien werden in 20-Jahre-Abständen entworfen und durchdacht. Die Kurzfristigkeit solcher Ereignisse, wie zum Beispiel diese von vor einem Jahr, erfordern aber auch kurzfristige Reaktionen und Anpassungen von Strukturen und Handlungskonzepten. (…)“. Mit seinen Einleitungsworten brachte Dr. Markus Bradtke, Stadtbaurat der Stadt Bochum, die Veranstaltung „Handlungskonzept Wohnen. Ziele – Verfahren – Praxis.“ im Rahmen der Bochumer Stadtgespräche bereits zu Beginn gut auf den Punkt. Es betrifft die dringende Notwendigkeit der Städte, für die Wohnungssituation auf kommunaler Ebene zu handeln. Laut Bradtke sei es höchste Zeit, sich um- und neu zu orientieren, vernetzte Strukturen zu nutzen und auszubauen. Gerade für Nachbarkommunen.

Herne und Dortmund zwischen Theorie und Praxis

Wie aber sieht die Arbeit der (Nachbar-)Kommunen zur städtischen Bebauung aus? Dies diskutierten zunächst Julia Meininghaus vom Amt für Wohnen und Stadtentwicklung der Stadt Dortmund, gefolgt von Peter Rogge, Fachbereich Umwelt und Stadtplanung der Stadt Herne.

Unterschiedlich ist der Entwicklungsstand der kommunalen Handlungskonzepte. Während Herne die theoretische Arbeit abgeschlossen hat, haben die Dortmunder bereits die praktische Arbeit am Handlungskonzept Wohnen begonnen. Beide betonten, dass die jahrelange Sammlung von Daten und Statistiken in ihren Kommunen die Entwicklung des „Masterplans Wohnen“ erleichterten. Wichtig sei ihrer Erfahrung nach gewesen:  eine engmaschige Kontrolle der eigenen Strategien und Konzepte sowie die Berücksichtigung der demographischen Veränderungen, der Wünsche und Vorstellungen, aber auch der wirtschaftlichen Potenziale von Familien sowie von Binnen- und Zuwanderungen.

Quote für sozialen Wohnungsbau?

Wichtig für die Handlungskonzepte war auch die Hilfe von externen Gutachtern, um die eigenen Datensätze zu überprüfen. Als besonders schwierig stellte Peter Rogge heraus, alle beteiligten Mitspieler an einen Tisch zu versammeln. Dennoch sei innerhalb kürzester Zeit (Anm. d. Verf.: zwei Jahre) gelungen, für das „Bündnis Wohnen“ sowohl Vertreter der Kommune, als auch der kommunalen und privaten Immobilienwirtschaft und der Mietervereine zum Mitwirken zu gewinnen. Dies unterstreiche seiner Ansicht nach, die Brisanz dieses Themas mehr denn je.

Ihren Vortrag abschließend, brachte Julia Meininghaus den sozialen Wohnungsbau ins Spiel: Sie plädiere für eine Quotenregelung für den sozialen, geförderten Wohnungsbau. Ihrer Meinung nach muss die Sicherung dieses Segmentes weiterhin das vorrangige Ziel der Kommunen sein.

Bochum entwickelt Handlungskonzept Wohnen

„Anders als bei unseren Nachbarkommunen Dortmund und Herne hat die Stadt Bochum die Entwicklung eines solchen Handlungskonzeptes gerade erst begonnen“, sagte Lisa Wilker, Vertreterin des Stadtplanungs- und Bauordnungsamtes der Stadt Bochum.  In ihren weiteren Ausführungen wurde deutlich, dass auch in Bochum nicht nur der Neubau und die Sanierung von vorhandenen Strukturen erklärtes Wohnbauziel sein dürfen, sondern dass die Ausschöpfung von Ressourcen und Fördermitteln effizienter koordiniert werden müsse. Erklärter Wunsch der Stadt Bochum sei es, dass die Öffentlichkeit insbesondere über die Veranstaltungsreihe der Bochumer Stadtgespräche über die Entwicklungen, Problemstellungen und Auftragswege mit einbezogen wird.

An der anschließenden, regen Podiumsdiskussion unter der Moderation von Burkhard Huhn (Stadtplanungs- und Bauordnungsamt, Stadt Bochum) beteiligten Michael Klöpsch, Regionalleiter Bochum Vonovia West, und Michael Wenzel, Geschäftsführer Mieterverein Bochum, Hattingen und Umgebung e.V.. Klöpsch führte aus Sicht der Immobilienwirtschaft aus, dass es gesteigertes Interesse daran gäbe, diese Prozesse mit zu gestalten und zu befördern. Denn ein solches Konzept sei nicht nur Planungsstrategie, sondern auch Orientierungshilfe für Immobilienverwalter und -vermarkter.

Mehr Vernetzung für mehr Wohnungsbau

„Wir ziehen am gleichen Strang“, betonte auch Michael Wenzel. Seiner Ansicht nach würde der soziale Wohnungsbau aber weiterhin den Problemfall darstellen und werde zu wenig berücksichtigt. Gerade für dieses Segment wünsche er sich als Interessensvertreter der Miterinnern und Mieter mehr Aufmerksamkeit und mehr Engagement seitens der Politik und der Wirtschaft

So lässt sich festhalten, dass für ein „Handlungskonzept Wohnen“ mehr „Player“ mitspielen, als öffentlich wahrgenommen werden, vor welchen Hindernissen diese stehen und wie schwierig es ist, sowohl konkrete Problem zu fassen, als auch die Großstrukturen zu durchdenken. Interessant erschien dabei, wie nahe sich manche Kommunen in ihren Strategien sind, wie viel sie voneinander lernen können (und vielleicht auch müssen), um den veränderten Wünschen und Gegebenheiten direkter begegnen zu können. Deutlich wurde, dass es keinen allgemeinen Masterplan geben kann. Es müsse dafür mehr darum gehen, Rahmenbedingungen immer wieder neu und engmaschiger zu überprüfen und den Dialog mit allen beteiligten Parteien, insbesondere der Öffentlichkeit suchen.

> Weitere Informationen zu den Bochumer Stadtgesprächen

 

Text: Raphaela Schröter, wissenschaftliche Volontärin des M:AI