Die Gebäude von PSE in Düsseldorf

„‚Das hat doch nichts mit Architektur zu tun‘, war zu hören. Man nahm vor allem an der Sichtbarkeit der einfachen Materialien und der Konstruktion Anstoß: an den Stahl-Drahtseilen, dem schalungsrauen Beton und der Glashaut“. Paul Schneider von Esleben im Design Report 1988 zur Reaktion auf die Haniel-Garage.

Viele von Paul Schneider von Eslebens Projekten stehen im Stadtgebiet von Düsseldorf. Laden Sie sich doch unsere PSE-Stadtkarte (siehe unten) herunter und betrachten Sie die Bauwerke im Original!

 

Foto: Thomas Mayer

Foto: Thomas Mayer

Mannesmannhochhaus
Fertigstellung: 1958 – Denkmalschutz: 1997
Als elegante, flache Scheibe zeigt das Haus seine Schmalseite Richtung Ufer, flankiert von der alten Mannesmann-Hauptverwaltung. Das schlanke, 24stöckige Hochhaus am Rhein war in mehrfacher Weise ein Experiment in der damaligen Zeit: Bauweise und Materialien waren neu in der Bundesrepublik – eine symbolhafte Architektur für ein aufstrebendes Unternehmen. Nach amerikanischem Vorbild entwarf Schneider von Esleben dieses Gebäude als ein Stahlskelett, das um einen Betonkern herum errichtet wurde. Es ist also kein Gebäude mit tragenden Wänden, sondern von den Mannesmann-Röhrenwerken produzierte Stahlrohe tragen Decken und Fassade. Ummantelt wird die Fassade aus emaillierten Blechpaneelen und Glas – Elemente, die speziell für dieses Gebäude entwickelt wurden. Bis kurz vor Bauende gab es immer wieder Kritiker, die am liebsten Ziegel- statt Blechbrüstungen an dem Hochhaus gesehen hätten. Berger Allee 25

 

Foto: Thomas Mayer

Foto: Thomas Mayer

Kirche St. Rochus
Fertigstellung 1955 Denkmalschutz 1988
Die 1897 von Josef Kleesattel errichtete Kirche wurde im Krieg stark zerstört. Die Gemeinde entschied sich für einen Abriss der Ruinen und einen Neubau auf alten Fundamenten. Nur der Glockenturm blieb stehen. Paul Schneider von Esleben entwarf die Kirche und führte sie bis zum Rohbau aus. Das symbolische Programm wurde durch den Gemeindepfarrer Peter Dohr vorgegeben. Die Architektur bricht mit der traditionellen Formensprache: Eiförmig wölbt sich die Kuppel über dem Altar. Drei 7 cm dicke, paraboloide Betonschalen fügen sich zu der Kuppel. Sie verweisen auf die Dreifaltigkeit Gottes. Die Schalen wirken wie durch vertikale, gebogene Glasbänder an den Nahtstellen miteinander verbunden. Die Kuppel lastet auf zwölf schlanken Säulen im Inneren – analog zu den 12 Aposteln. Die Innenausstattung und Fassadenverkleidung wurde Anfang 1960er Jahre von dem Bildhauer Ewald Mataré gestaltet. Im Kirchenraum zeigt die Gemeinde eine Ausstellung mit Plänen, Entwürfen, Skizzen des Architekten und mit zeitgenössischen Fotografien aus dem Kirchenarchiv. Ende der 1980er Jahre wurde Paul Schneider von Esleben ein zweites Mal für St. Rochus tätig, um umfangreiche Umgestaltungen und Sanierungen vorzunehmen.
Prinz-Georg-Str. / Ecke Bagelstr.

 

Foto: Markus Luigs

Foto: Markus Luigs

Haniel-Garage
Fertigstellung 1952 Denkmalschutz 1985
Dieses transparente Parkhaus – damals als „Hochgarage“ betitelt – war das erste Großprojekt Paul Schneider von Eslebens. Und darin sind sich Architekten auch heute noch einig: Die Garage gehört zu den besten Bauwerken der Zeit. Auftraggeber war der Großindustrielle Dr. Franz Haniel. Die Idee war wegweisend: Die Nachfrage nach Autos stieg, Ziel der Stadtplanung war die verkehrsgerechte Stadt. Die Architektur hat diesen Anspruch an Modernität erfüllt. Das Parkhaus besteht aus einem aus Betonrahmen gebildeten Tragkern, der nach außen durch Glaswände geschlossen ist. Man kann praktisch durch das Gebäude „hindurch“ sehen. Das war so neu in den 1950er Jahren, dass der Bauherr des Parkhauses sogar zunächst an seiner Fertigstellung zweifelte, so unfertig erschien es ihm. Die internationale Fachpresse hingegen bejubelte den Bau als Aufbruch in eine neue Zeit. Ein besonders interessantes Gebäudedetail: Die Auffahrrampen sind an den über die Glaswand auskragenden Trägern mit Stahlseilen aufgehängt – die Konstruktion wirkt äußerst leicht und filigran.
Grafenberger Allee 258

 

Foto: Thomas Mayer

Commerzbank-Hochhaus
Fertigstellung 1962 Denkmalschutz 1998
Charakteristisch an dem silberfarbenen Hochhaus in der Düsseldorfer Innenstadt sind die Paneelplatten der Fassade: Es handelt sich um „gelochte“ Alu-Bleche, in deren Aussparungen Fenster eingelassen sind – ganz ähnlich wie beim Eisenbahnwaggonbau. “…eine Karosseriefassade!“ schreibt der Architekturkritiker Heinrich Klotz 1987. Die vorgefertigten Elemente wurden am Bau montiert und ergeben das regelmäßige Fassadenbild. Modern für die damalige Zeit sind die abgerundeten Häuserecken und vor allen Dingen war es der gläserne Drive-In-Schalter: Bankgeschäfte konnten mit dem Personal in dem gläsernen Sockelgeschoss direkt aus dem Auto abgewickelt werden. Spannungsvoll steht dieser Leichtigkeit die robuste Architektur des roh belassenen Tragwerks aus Beton entgegen – der Hochbau ruht auf einem einzigen breiten Mittelträger, der die Lasten des Gebäudekörpers aufnimmt. Zu dem alten Verwaltungsgebäude der Commerzbank führt im ersten Stockwerk eine gläserne Verbindungsbrücke. Kasernenstr. 39

 

Foto: Jenny Janson

Foto: Jenny Janson

Wohn- und Bürohaus
Fertigstellung 1965
Der neunstöckige Block steht am Rand einer Wohnsiedlung aus den 1950er Jahren und eines Büroviertels. An dieser Schnittstelle präsentiert sich das Gebäude, das sowohl Wohnhaus als auch Büro ist. Es ist hat eine schmale Gestalt: Bei 48 Metern Länge ist es nur 11 Meter breit. Das Stahlbetonskelett und die Wände wurden aus Betonfertigteilen konstruiert. Die Hauptfassaden bestehen komplett aus Glas. Steht man vor dem Gebäude, ist das nicht zu erkennen, denn vorgelagert sind ab dem ersten Stock Balkone, deren Brüstungen aus den damals beliebten Waschbeton-Platten bestehen. Auf dem Dach des Blocks befinden sich ein Penthouse mit einer umlaufenden, ursprünglich begrünten Dachterrasse – hier arbeitete und wohnte Paul Schneider von Esleben bis zu seinem Tod im Jahre 2005. Markant: Vor einem der Hauseingänge steht ein massives, skulpturales Vordach aus Sichtbeton. Zu dem Komplex gehört ein benachbarter niedriger Block mit acht kleinen Maisonette-Wohnungen sowie ein unterirdisches, mittlerweile zum Mode-Showroom umgenutztes Schwimmbad. Tersteegenstraße 63-66

 

Foto: Thomas Mayer

Foto: Thomas Mayer

Rolandschule
Fertigstellung 1961 Denkmalschutz 1990
Lineare Strenge kennzeichnet das Schulgebäude und nimmt Bezug auf die Formensprache von Mies van der Rohe. Die symmetrische, auf Stahlbetonstützen gelagerte Vierflügelanlage ist um einen Innenhof arrangiert. Markant: Sichelförmige Bänke aus Beton stellen einen Kontrast zu der streng gerasterten Fassade dar. In den Schmalseiten befinden sich die Treppenhäuser. Großzügige Flure erschließen die an der Außenwand liegenden Klassenräume. Schöner Akzent: die hinter Holzverkleidungen verborgenen Garderobenschränke der Kinder entlang der Flure. Die volltransparenten Treppenhäuser verursachten bei der Eröffnung einen Skandal – ebenso wie die programmatische Ausgestaltung der Schule mit zeitgemäßen Kunstobjekten von den ZERO-Künstlern Otto Piene, Günther Uecker, Heinz Mack sowie Joseph Beuys. Alle vier entwickelten Objekte, an denen die Kinder Bewegung, Licht und Schatten, Farbe und Material selbst erleben können. Bis zur Sanierung 2008 (M. van Ooyen/ K. Legner) waren sie weitgehend hinter Wänden verbaut, heute sind sie wieder mit Einschränkung zugänglich. Zudem entwarf der Architekt auch das Mobiliar, das von der Firma Flötotto produziert und anschließend in der ganzen Bundesrepublik vertrieben wurde. Rolandstr. 40

 

Stadtsparkasse Wuppertal

Stadtsparkasse Wuppertal

Sparkasse Wuppertal
Fertigstellung 1973
In der Talachse der Stadt ragt dieses elegante, 75 Meter hohe Gebäude mit seinem quadratischen Grundriss gen Himmel. Das oberste Stockwerk hebt sich von dem Rest ab: Es scheint mit seinen Sitzungssälen über den 18 Etagen des Turms zu schweben. Markant ist der pyramidiale Unterbau, der das oberste Stockwerk über dem „Luftgeschoss“ trägt. In der Gebäudemitte befindet sich ein tragender Stahlbetonkern mit allen Versorgungseinrichtungen. Um den Raum optimal auszunutzen, wurden die Büroetagen mit einer außen liegenden Hängestützen-Konstruktion vom obersten Stockwerk abgehängt. Stützenfrei Räume resultieren daraus, so wie der Architekt sie auch im benachbarten Gebäude der Kassenhalle ausführte, die durch eine große Spiegelwand des ZERO-Künstlers Adolf Luther optisch noch weiter vergrößert erscheint. Auch ein Parkhaus mit zwei Spindeln gehört zu dem Komplex – 1996 fügte der Architekt dem Ganzen eine kristalline Verbindungsbrücke zu einem Neubau über die Bundesallee hinzu. In der Kassenhalle der Sparkasse Wuppertal wird die Ausstellung „Paul Schneider von Esleben – Das Erbe der Nachkriegsmoderne“ 2016 vom 21.1. bis 24.2. gezeigt.
Islandufer 15, 42103 Wuppertal

 

Flughafen Köln-Bonn
Fertigstellung 1970
Bis Ende der 1960er Jahre waren Flughäfen in Europa kaum mehr als Abfertigungsgebäude mit angeschlossenem Flugfeld. Mit dem Bundeshauptstadt-Flughafen Köln-Bonn sollte sich das grundlegend ändern: Paul Schneider von Esleben entwarf ab 1963 einen der allerersten Drive-in-Flughäfen Europas mit einer eigenen, für alle Funktionsabläufe durchdachten Typologie. Ein dreischenkliger, terrassierter Gebäuderiegel schafft dabei zwischen Automobil und Flugzeug optimale, kurze Wege. So ist in seinem Innenhof eine zweigeschossige Vor- und Abfahrt für Ankunft und Abflug organisiert. Von ihr gelangen Besucher in eine repräsentative Halle, deren prismatisch verschlankte Tragkonstruktion ausdrucksstark in rauem Sichtbeton ausgeführt wurde: Treppen, wie Diagonalen im Raum angeordnet, und Galerien verbinden die Ebenen des maximal siebengeschossigen Gebäudes. Markant nicht nur beim Landeanflug sind die beiden sternförmigen Flugsteigköpfe mit ihren fligranen, geradezu schwerelos wirkenden Oberlichtern. Mittlerweile ist der Flughafen um ein weiteres Terminal durch Helmut Jahn erweitert worden. Der alte Kernbereich, der in den letzten Jahren neu geordnet und von entstellenden Einbauten befreit wurde, findet bei Fluggästen und in der Fachwelt immer noch große Anerkennung. Kennedystr. , 51147 Köln
Der Künstler Alexander Basile hat sich in dem filmischen Projekt „a possible scenario. Der Transitraum Köln-Bonner Flughafen“ auseinandergesetzt. Der Film wird ab 23. August  bis 6. September im Flughafengebäude (Videowand Ankunft, Terminal 1, 10, 14, 18 Uhr) gezeigt und am 13. und 20 September 2015 in der 21. Etage des Mannesmannhochhauses (10 – 18 Uhr).

DOWNLOAD STADTPLAN MIT PSE-PROJEKTEN IN DÜSSELDORF
Web_MAI_Faltplan.pdf

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