Der lange Weg für mehr Freiraum

Zur Finissage der Ausstellung zum nrw.landschaftsarchitektur.preis 2014
Mehr Frei- und Grünraum in der Stadt – das ist eine langfristige Entwicklungs- und Planungsperspektive. Sie erfordert von allen Beteiligten Ausdauer, Geduld, Bündnisse, Flexibilität und neue Ideen. Ein paar dieser Ideen waren Thema auf der Abschlussveranstaltung zur Ausstellung – eine Botschaft für viele Landschaftsarchitekten, die sich tagtäglich mit Visionen, Realisierung und Finanzierung von Grünprojekten beschäftigen.

Dr Ellen Cassens-Sasse

Dr Ellen Cassens-Sasse


Dr. Ellen Cassens-Sasse von der Koordinierungsstelle Umweltschutz der Stadt Pulheim stellte das Projekt Nordpark Pulheim vor: ein Generationenprojekt! Es handelt sich um ein halbmondförmiges Areal, das sich an den nördlichen Stadtrand schmiegt. Diese Fläche, deren Gestaltung bbzl, Berlin, entwickelt hat, vermittelt zwischen Wohnbebauung und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Es ist ein Parkband, dessen Landschaftsbilder mit dem Thema Landwirtschaft spielen, und das den Menschen als Stadtrand-Grünfläche zur Verfügung steht. Denn innerstädtischer Grünraum ist knapp. Die Idee: Die Entwürfe sind so flexibel, dass sich die Parkgestalt an veränderte Bedingungen (auch finanzielle) anpassen kann.

Zentrale Elemente sind zwei parallele Wege, das Parkband durchziehen: Äußerer Rahmen, von dem derzeit rund 7 Hektar fertiggestellt sind, ist die Horizontalallee. Wie ein landwirtschaftlicher Betriebsweg verlaufen zwei Spuren mit wassergebundenem Belag daneben, in der Mitte eine Graslinie aus Schotterrasen. Ein zweiter Weg, die Feldpromenade führt näher an der Stadt durch teils landwirtschaftlich genutzte Flächen und solche, die gestaltet wurden: als leicht erhöhte Wiesenplateaus, mit Obsthainen, als Kräutergarten oder Spielwiesen. Die Landschaft diffundiert so in den städtischen Raum, und dieser Parc Agricole ist eine dem Ort angemessene landschaftsarchitektonische Interpretation.

Der Park wird noch bis zum Jahr 2030 weiterentwickelt, bis dahin kann sich viel ändern. Die insgesamt 100 Hektar Endfläche sind bislang nicht komplett durchgestaltet und lassen jeweils zeitgemäße Gestaltungen zu. Integriert ist der Park in das in das Projekt „Regio Grün“ der Regionale 2010.

Jutta Wakob

Jutta Wakob


Jutta Wakob von LILL + SPARLA Landschaftsarchitekten, Köln, setzt hinsichtlich der Langfristigkeit und Langlebigkeit von Projekten auf Kooperationen und Bündnisse, bei denen die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt ist. Ihr Projekt „Familienpark an der Zoobrücke“, das neben Nordpark Pulheim und zwei weiteren Projekten mit dem nrw.landschaftsarchitektur.preis 2014 ausgezeichnet wurde, funktioniert so gut, weil eine Initiative vom angrenzenden Jugendpark immer ein Auge auf die Fläche hat und kleine Ausbesserungsarbeiten an Ort und Stelle selbst vornimmt.

Beatrice BüttnerÄhnliche Erfahrungen hat sie auch bei einem anderen Projekt gemacht: Ein Park in Köln Mülheim, der schon 1985 von LILL + SPARLA gebaut wurde, verwahrloste zunehmend und wurde eigentlich nur noch von Drogenkonsumenten frequentiert. Zusammen mit Nachbarschaft und Bürgerverein wurde ermittelt, wie ein Park für alle auszusehen hat – alle Generationen sollten berücksichtigt werden. Entstanden ist auf kleinem Raum ein vielschichtiger Park der viele Betätigungsmöglichkeiten abruft, mit dem sich die Bürger identifizieren und den sie auch gerne aufsuchen.

Von langfristigen Perspektiven und schnellen Ergebnissen berichtete Beatrice Büttner, Geschäftsführerin der Kölner Grünstiftung, eine gemeinnützige Stiftung zur Erhaltung und Verbesserung der Kölner Grünanlagen. Die Stiftung sitzt an der Gelenkstelle zwischen Bürgern und Stadt. Sie finanziert sich ausschließlich durch Spenden und sorgt für schnelle Planung, finanziert Umsetzung und zum Teil Pflege. Die Stadt Köln behält die komplette Bauaufsicht – eine Kooperation, die in kurzer Zeit sichtbare Projektfortschritte bringt. Und das ist das Erfolgsrezept: Bürger initiieren Projekte, Unternehmer möchten den Parkstreifen vor ihrem Gebäude verschönern lassen. Dafür sind sie bereit zu spenden.

Die Stiftung setzt sich dann für das Projekt ein, und in oftmals sehr kurzer Zeit entsteht eine gepflegte Grünfläche. Für die Menschen wird sichtbar, was mit ihrem Geld direkt „vor der Haustür“ passiert. Ein kurzer Weg von der Idee zur Umsetzung. Bürger haben auch die Möglichkeit zu Baum- und Banksponsoring. Über 1000 Bänke wurden schon gestiftet – so identifizieren sich Menschen wieder mit ihrer Stadt.