Werner Ruhnau. Der Raum. Das Spiel. Und die Künste

»Deine Art, mit Kunst umzugehen, ist Kunst am Bau. Beim Spielraum stellst Du Besucher und Spieler gegenüber und hier bildende Kunst und Bauwerk. Du musst integriert denken!« Dramaturg Claus Bremer zu Werner Ruhnau

 

Wie kaum ein anderer Architekt seiner Generation hat Werner Ruhnau den Begriff der „Baukunst“ geprägt: Architektur, bildende Kunst und Technik im kreativen Dialog. Die Öffnung der Disziplinen zueinander, ihr Spiel miteinander hat Ruhnau in seinem Schaffen immer wieder initiiert und in seine Arbeit einfließen lassen. In seinem Werk hat er sich als Wanderer zwischen den Welten der freien Künste immer als Intendant und Regisseur begriffen. 2007 würdigte eine Ausstellung das Lebenswerk des Architekten.

Der Architekt
Anlass war der 85. Geburtstag von Werner Ruhnau. Ort war das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, das er Ende der 1950er Jahre entworfen und mit zahlreichen Künstlern gemeinsam entwickelt hat. Die Ausstellungsräume selbst waren das größte Exponat: Das Musiktheater im Revier ist architektonischer Ausdruck für Öffnung und Ruhnaus Credo, dass „eine offene Gesellschaft offene Theaterspielformen fordert“: Die Immaterialität der Stahl-, Beton- und Glaskonstruktion vermittelt äußerste Transparenz.

Das Spiel hat Werner Ruhnau sein ganzes Leben hindurch begleitet – sei es, indem er die räumlichen Grundlagen für das Theaterspiel schuf oder sei es als Öffnung des Geistes durch das Medium Spiel. So ist die Spielstraße in München anlässlich der Olympischen Spiele 1972 als kreative internationale Begegnung von Menschen und Künsten vielen noch in Erinnerung.

Für die Ausstellung „Der Raum, das Spiel und die Künste“ wurde das Archiv Werner Ruhnaus erstmals umfassend geöffnet: Neben Architekturmodellen, Fotografien und Kunstwerken wurden auch umfangreiche Film-Ton- und Textmaterialien vorgestellt. Die Ausstellung zeigte seinen Werdegang, sein künstlerisches Schaffen, seine Baukunst und stellt wichtige „Mitspieler“ und Weggefährten vor.

Die Ausstellung
Das Musiktheater im Revier war Ausstellungsort und zugleich bauliches Dokument für Werner Ruhnaus konsequente Integration von bildender Kunst und Architektur zur ‚Baukunst’. Ruhnau gehrört zur internationalen Architektur-Avantgarde der 1950erund 1960er Jahre.

Gezeigt wurde eine Vielzahl von „Momentaufnahmen“ zur der Olympischen Spielstraße in München 1972. Als ihr Intendant und Erfinder brachte er internationale Künstler der bildenden und darstellenden Kunst sowie der Musik nach München. Die Spielstraße wurde zur kreativen internationalen Begegnungsstätte.

„Luftarchitektur“ war ein weiteres Thema: Ruhnau entwarf Dächer aus Luft, deren Strom vor leichtem Regen schützt oder warme Luftströme aus dem Boden, die die Eingangtüren ersetzen und heute noch in den Kaufhauseingängen zur Anwendung kommen. Es wurden gemeinsame Originalzeichnungen von Werner Ruhnau und Yves Klein zur Luftarchitektur gezeigt, Zeugen der intensiven Zusammenarbeit von Architekt und Künstler.

Thematisiert wurden auch seine Gestaltungsansätze von Innenräumen und Firmengebäuden: mit Glasobjekten von Adolf Luther, wie sie im Gebäude der Flachglas-AG zu finden sind. Gezeigt wurde die künstlerische und architektonische Gestaltung des Sozial- und Verwaltungsgebäudes der Herta KG in Herten: Die Innengestaltung setzte sich auch kritisch mit der großindustriellen Fleischverarbeitung auseinander: Der Fluxus-Künstler Wolf Vostell entwarf zu dem Zweck das Environment MIT(H)ROPA – eine Arbeit mit einem amerikanischen Straßenkreuzer, in dem auf Monitoren Live-Szenen aus den Zerlegebetrieben der Großfleischerei zu sehen sind
Gezeigt wurde, wie sich aus der ersten Umsetzung eines variabel zu nutzenden Raumes (Kleines Haus, Gelsenkirchen) die Vorstellungen von mobilen und multifunktionalen Spielräumen entwickeln. Die Architektur der Ausstellung orientierte sich in ihrem Erscheinungsbild am „Podienklavier“, das Ruhnau als Spielinstrument für eine offene Gesellschaft konzipiert.

Die Stadt Gelsenkirchen und das M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW waren Träger der Ausstellung.

Ausstellungszeitraum
04.2007 – 07.2007

Werner Ruhnau – Der Raum, das Spiel und die Künste

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