Anything goes!!

Information für die Presse
5.11.2013

„Das Material ist der Rohstoff, den die Natur den Menschen an die Hand gab, um daran ihre Geschicklichkeit und ihren Geist zu zeigen und zu entwickeln.“
Bruno Taut (1880-1938), Architekt

Anything goes!!
Ausstellung zur neuen Lust am Material in der Architektur
Eine Ausstellung des M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW

Es geht um Beton, der nicht nur superleicht , sondern auch noch transparent ist und spektakuläre Konstruktionen zulässt, um Membrane mit bester Isolierfähigkeit, mit denen man gewagte Dachlandschaften bauen kann oder lebendige Fassaden, die eigenständig das Hausklima regulieren und gleichzeitig Energielieferant sind. Es geht um die Nachhaltigkeit von Baustoffen und ihren Beitrag zum Lebenszyklus eines Bauwerks. Die Ausstellung zeigt an 30 internationalen Beispielen den Einsatz neuester Materialien. Eine Vielzahl von Materialproben macht die Innovationen nachvollziehbar.

In der Ausstellung geht es um die gegenseitige Bedingung von Material und Form. Jahrhundertelang bauten Architekten und Ingenieure mit den Materialien, die sie in ihrer Umgebung vorfanden: Lehm, Holz, Textilien, Kalk- oder Sandstein, Marmor und Bronze. Es wurden aber auch neue Werkstoffe erfunden: Glas und Beton. Die Industrialisierung brachte im 19. Jahrhundert eine Fülle von neuen Baustoffen hervor: Gusseisen, Stahlbeton, Kunststoffe. Damit veränderte sich das Erscheinungsbild der Architektur grundlegend. Und heute forschen Ingenieure für kühne Konstruktionen an leichten, aber gleichzeitig extrem belastbaren Werkstoffen. Architekten suchen für die scheinbar unendliche Formvielfalt nach Materialen mit neuen Anmutungen für eine veränderte Ästhetik. Materialeigenschaften, deren Verhalten heute am Computer simuliert werden kann, beflügeln die Formfindung.
Die Wahl von Materialien und Werkstoffen ist entscheidend für die Formfindung. Hier setzt die Ausstellung an: Sie zeigt aktuelle Beispiele neuer Formensprache durch neue Materialien. Noch nie in der Geschichte der Architektur stand eine solche Fülle an Werkstoffen zur Verfügung. Vielleicht ist es erstmals in der Architekturgeschichte möglich, dass Baukörper, tragendes Skelett und Oberfläche keiner Einschränkung mehr durch das Material unterliegen – Anything goes!?!

Gefördert durch das Ministerium für Bauen, Wohnen Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen der Landesinitiative StadtBauKultur NRW und mit Unterstützung durch die Stadt Gelsenkirchen.

Begleitprogramm zur Ausstellung „Anything goes!“

12. November 2013, 19 Uhr:
Vom Stoff zum technischen Textil. Bauen mit Membranen
Leichtigkeit und die Fähigkeit, sich jeder Form anzupassen, bescherten Textlien im 20. Jahrhundert ein Comeback im Rahmen der leichten Tragwerke, der pneumatischen Konstruktionen und heute als Membrane. Aus Carbon- oder Glasfasern hergestellt, sind es heute technische Textilien, langlebig und nachhaltig.
Sylvie Krüger, Fachautorin, wirft einen Blick auf die Vielfalt der textilen Architektur. Volkwin Marg, gmp Architekten, und Markus Simon, Geschäftsführer der Versaidag, diskutieren über die Potenziale der technischen Textilien und Möglichkeiten, aber auch Grenzen des Bauens mit Membranen.
Vorab um 18 Uhr: Führung durch die Ausstellung

21. November 2013, 19 Uhr
Bauen mit lebendem Material
Hier geht es nicht um totes Holz als Baumaterial, nicht um Pflanzen zur Fassadenbegrünung, sondern um Bäume, die so miteinander verwachsen und sich mit technischen Bauteilen verbinden, dass sie eine selbsttragende Struktur ausbilden. Ein „wachsender Steg“ entsteht zurzeit im Rahmen des Kunstprojektes ÜBER WASSER GEHEN in Kamen.
Ist das, was dort „wächst“ Architektur oder eher Kunst? Erhält die Landschaftsgestaltung eine dritte Dimension? Eröffnen wachsende Architekturen für den urbanen Kontext neue Potenziale?
Hierüber diskutieren: u.a. Hannes Schwertfeger, Bureau Baubotanik; Karl-Heinz Danielzik, Landschaftsarchitekt BDLA; Jan Kampshoff, modularbeat
Moderation: Ursula Kleefisch-Jobst, M:AI und Katja Aßmann, Urbane Künste Ruhr.
Eine gemeinsame Veranstaltung von M:AI und Urbane Künste Ruhr.
Vorab um 18 Uhr: Führung durch die Ausstellung

Führungen durch die Ausstellung:
12. November 2013, 18 Uhr
21. November 2013, 18 Uhr
28. November 2013, 18 Uhr
12. Dezember 2013, 18 Uhr

Anmeldung unter: info@mai.nrw.de oder 0209 925780
Führungen für interessierte Gruppen auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Anmeldung.

Besondere Materialität – Das Gestaltungskonzept

Das M:AI sucht für jede seiner Ausstellungen nach einem passenden Design, einer passenden Optik und Präsentationsform, die mit dem jeweiligen, präsentierten Thema korrespondiert.
Für die Ausstellung „anything goes!“ hat der Kölner Architekt Martin Sinken eine ganz besondere Ausstellungsarchitektur entwickelt. Es handelt sich um Pappe, zusammengeführt über Module, die sich zu beliebig großen Präsentationsflächen ineinander stecken lassen.
Dieses Papierverbundsystem besteht aus zwei ebenen Flächen, zwischen denen wellenförmig eine weitere Pappschicht (Sinuslamellen) gelagert ist. Dieses Material bietet ein gutes Verhältnis von Eigengewicht und Stabilität, das zum Beispiel ein klassisches Holzprodukt nicht erreichen kann. Das Gewicht der Papierverbundsystems beläuft sich auf ein Zehntel vergleichbaren Holzmaterials.
Die Zahl der Module, die in dem Ausstellungsraum, einer alten Zechen- Lüftermaschinenhalle in Gelsenkirchen zum Einsatz kommen, ist gewaltig: 10131 Pappwabenplatten bilden die Ausstellungsarchitektur von „anything goes!“ Das Erstaunliche dabei: Aus nur einem einzigen konstruktiven Modul – einer quadratischen, vierseitig geschlitzten Platte – wird der Unterbau der komplexen Podestlandschaft zusammengesteckt.
Die rohe, werkstatthafte Szenografie korrespondiert mit den oft prototypischen Exponaten und animiert zum Entdecken, Ausprobieren und Begreifen.
Ganz nebenbei – passend zur Thematik der Ausstellung – leistet das Ausstellungssystem einen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit: Durch den fast vollständigen Verzicht auf Klebeverbindungen sind die Pappmodule langfristig wiederverwendbar und danach sortenrein recyclebar.
Da das M:AI ja mit seinen Ausstellungen durch Nordrhein-Westfalen tourt, ist diese System besonders praktisch: Es lässt sich einfach auf- und abbauen, neu zusammenfügen und ist einfach zu transportieren. Die Stanzform ist übrigens eine Eigenentwicklung von Martin Sinken, für die er einen Prioritätsnachweis erhalten hat.
Das Layout aller Flächen hat er in Kooperation mit dem kikkerbillen – visual lab aus Köln entwickelt.

Infos:
www.sinken.de
www.kikkerbillen.de

M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW
M:AI – immer vor Ort, nie am selben.

Seit 2005 widmet sich das M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW aktuellen baukulturellen Themen. Es hat zwar seinen Bürositz in Gelsenkirchen, verfügt aber nicht über ein Museumsgebäude. So ist das M:AI in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs – u.a. mit Exkursionen, Vorträgen und künstlerischen Aktionen. Seit 2007 zeigt es schwerpunktmäßig Ausstellungen. Immer dort, wo Architektur und Ingenieurkunst zum Thema werden sollen: weil ein Gebäude besonders beispielhaft ist und sich Menschen darin wohl fühlen, weil bedeutende Architekten, Ingenieure, und Stadtplaner Wegweisendes hinterlassen haben oder weil Bau- und Kulturdenkmäler vom Abriss bedroht sind und heftig diskutiert werden. Für jede Ausstellung wird ein eigenes Präsentationsdesign entwickelt – passend zum jeweiligen Thema. Oft finden die Ausstellungen in Gebäuden statt, die einen direkten Bezug zum Thema der Ausstellung haben, dann wird das Ausstellungsgebäude zum anschaulichsten und größten Exponat.
Diese Form eines mobilen Museums ist in Deutschland einzigartig. Die Projekte des M:AI sind Teil der Landesinitiative StadtBauKultur NRW.

M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW
Leithestr. 33
45886 Gelsenkirchen
0209 925780
info@mai.nrw.de
Kontakt für Journalisten: Anette Kolkau, a.kolkau@mai.nrw.de, 0209 9257822

www.mai.nrw.de
www.facebook.com/mai.nrw