Wohnen im Park
Viele Wohnquartiere des Ruhrgebiets sind rund um die Industrieanlagen entstanden. Um Industriearbeiter vor allem aus den osteuropäischen Regionen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts anzuwerben und zur stärkeren Bindung der Arbeiterschaft an das Unternehmen, ersannen sich die Eisen- und Stahlkonsortien des Ruhrgebiets Abwerbungsstrategien auch durch die Bereitstellung von Wohnraum. Es entstanden Siedlungen in Kolonieformen, Gartenstädte in enger Anbindung an das Industrieunternehmen, Pestalozziedörfer zur Unterbringung von vornehmlich jungen und allein stehenden Arbeitern in bereits angesiedelten Familien. Auch wenn diese Entwicklung kein Zeichen für eine urbane Stadtentwicklung darstellt, so sind aus diesen Prozessen doch zum Teil in sich geschlossene Stadtquartiere entstanden, die gegenüber dem sozialen Mietwohnungsbau sehr viele Qualitäten bergen.
Die Reaktivierung dieser Quartiere und die Herausstellung ihrer Qualitäten war ein Ziel der IBA Emscher Park. In Zusammenarbeit mit Wohnungsunternehmen und Kommunen wurden nicht nur architektonische und städtebauliche Qualitäten des Bestandes freigelegt, sondern auch moderne Architekturen integriert oder neue Siedlungen auf ehemaligen Industrieflächen platziert.
Hohe ökologische, soziale, städtebauliche und ästhetische Ansprüche an modernen Wohnungsbau und die Sanierungsprojekte konnten nur über Wettbewerbe- und Realisierungsverfahren definiert und vereinbart werden. Mieterbeteiligungen, bereits in den Planungsphasen, klar definierte Zielgruppen und kalkulierte Freiraumentwicklungen zeichnen heute viele der Quartiere aus.

