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Welterbe Zollverein

Essen

Als Ensemble stehen Zeche und Kokerei Zollverein für die industrielle Vergangenheit der Region. Dieser Industriestandort war Impuls zum Aufbau von Arbeiterstadtteilen im nördlichen Essen.  Die Dimension der Kohleförderung auf Zollverein bot Grundlage für einen auf Produktionstechnik ausgelegten Stolz der Belegschaften und die Modernität der Zechen ließ Bergarbeiter zu Zollvereinern in der Hierarchie der Arbeiterschaft aufsteigen. Gegen viele Widerstände blieb Zollverein als ein Meilenstein der Industriearchitektur als Kulturdenkmal erhalten. Als begehbare Ikone der Industriekultur steht der Komplex symbolisch für den Aufstieg und Niedergang eines ganzen Industriezweiges und zeigt exemplarisch neue Ansätze für die Gestaltung des Strukturwandels im Ruhrgebiet.

Im Zuge der Rationalisierung entwarfen und bauten die Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer die Gebäude der Zeche Zollverein Schacht XII als zentrale Förderanlage für insgesamt 4 Zechenstandorte mit dem Namen Zollverein und Bereiche des benachbarten Schachtes 1/2/8. Ihre Architektur entstand aus einer starken Bindung zur Funktion, verknüpft mit Repräsentationsaufgaben in einem Ausdruck, der Elemente des Bauhausstils aufnahm. Insgesamt erstreckten sich die  Anlagen über ein 100ha großes Areal und wurde bei ihrer Einweihung 1932 als „Wunderwerk der Rationalisierung “ betitelt. In der Folge  nahm 1961 die Kokerei Zollverein ihren Betrieb auf. 1986 wurde Schacht XII als letzte Förderanlage der Stadt stillgelegt und im selben Jahr konnte trotz schriftlich fixiertem Abrisswillen, der erste Bereich, ein zwölfteiliges Ensemble der Anlage Zollverein XII, unter Denkmalschutz gestellt.

Eine Sicherung des Areals konnte erst durch die Übernahme des Geländes und seiner Aufbauten in die Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen (LEG) gewährleistet werden. Dies führte zum Erhalt des Gebäudebestandes. Nach Aufnahme des Projektes in die IBA Emscher Park 1989 wurde seitens des Trägers, der Stadt Essen und der IBA Emscher Park die Bauhütte Zollverein gegründet, die ein Konzept zum Erhalt, der Sanierung und der Umnutzung der bestehenden Gebäude erarbeitete und gleichzeitig den Sanierungsträger bildete . Eine Entwicklungsgesellschaft in Folge der Bauhütte  ging 2008  in die Stiftung Zollverein auf, deren Aufgaben in der Sicherung der Anlagen, der gewerblichen Auslastung des Geländes und der Präsentation des Standortes in touristischem Sinne besteht. Längst hat sich die Zeche als lebendiger Wirtschafts- und Tourismusstandort mit dem Schwerpunkt Design und Kunst etabliert.

Eine weitere Sicherung von Zollverein, ergab sich durch die Aufnahme der Zechen und Kokereibereiche in die Weltkulturerbeliste der UNESCO 2001. Ein vielfältiges Angebot an Kunst- und Kulturprojekten und ein großes Veranstaltungsprogramm locken pro Jahr 500.000 Besucher auf das Gelände.

Als einer der Standorte im Emscher Landschaftspark ist Zollverein zu einer  Schnittstelle von Industrienatur und Industriekultur, in der auch neue Formen der Landschaftsentwicklung und Landschaftsgestaltung erprobt werden, mutiert. Das Zollvereingelände gehört zu den unzugänglichen Restflächen der Industrialisierung, die erst im Rahmen der IBA Emscher Park für die Öffentlichkeit geöffnet werden konnten. Der Künstler Ulrich Rückriem bemächtigte sich als einer der Ersten des Industriewaldes und ließ mit seinen Arbeiten einen Skulpturenpark entstehen, der den Anfang einer veränderten Wahrnehmung der Fläche als Ort der Kunst- und Natur erlaubte.

Grundlage für die heutige Landschaftsgestaltung auf Zollverein ist ein 2003 erarbeiteter Masterplan von Prof. Henri Bava - Agence Ter. Er stellt die kontinuierliche Pflege des Industriewaldes und der Wiesen- und Rasenflächen im Umfeld der baulichen Anlagen in Verbindung mit neuen Sukzessionsgärten in den Mittelpunkt. Ein Wegesystem gliedert die Landschaft und öffnet das Gelände mit sechs Eingängen für die benachbarten Quartiere. Die ehemaligen Gleisanlagen von Schacht XII zur Kokerei bilden zentralen Achsen im Innenbereich und wurden zu Fuß- und Radwegen ausgebaut. Bereits begehbar gemachte Bandschienen eröffnen dem Besucher ungewohnte Perspektiven auf Industrienatur als Folge von industrieller Nutzungen.

Ein Highlight der Umnutzungsgeschichte von Zollverein ist die Umgestaltung des Kesselhauses nach Plänen von Foster + partners und dem Büro Böll u. Krabel aus Essen (1996) zum Sitz des Design-Zentrum Nordrhein-Westfalen.

2002 wurde das Office for Metropolitan Architecture (OMA) aus Rotterdam unter Leitung von Rem Koolhaas beauftragt  ein zuvor entwickeltes Leitkonzept für die ökonomische und kulturelle Entwicklung des Standfortes in einen städtebaulichen Masterplan zu überführen um umzusetzen. Die Ergebnisse sind  Grundlage für weitere bauliche und planerische Projekte bildet. Ein herausragendes Projekt ist der Neubau der Zollverein School of Management and Design durch das Büro SANAA aus Tokio im Jahr 2006. In die von OMA Rem Koolhaas und Böll u. Krabel umgebaute Kohlenwäsche, die ihren  maschinellen Charakter und die eingebauten Industrieanlagen weitgehend erhalten hat, ist seit 2008 das neue Ruhr Museum eingezogen. Im europäischen Kulturhauptstadtjahr 2010 wird Zollverein als zentrale Anlaufstelle und Besucherzentrum fungieren.

Aktuell arbeiten die Stiftung Zollverein und die Stadt Essen gemeinsam an der Qualifizierung des Standortes zu einem Sitz der Kreativwirtschaft mit dem thematischen Schwerpunkt Design und am Ausbau des Gewerbestandortes Eine 3,5 ha große Fläche an der Schnittstelle zur Kokerei Zollverein wird zum Standort für Wohn- und Arbeitsmodelle junger Kreativunternehmen entwickelt. Neben Büros, Studios und Ateliers sind auch Wohnungen, Restaurants, Cafés und ein Hotel geplant.

Welterbe Zollverein – Schacht XII / (Essen)

Projektträger: Bauhütte Zeche Zollverein Schacht XII ( bis 1999)
 Stiftung Zollverein (ab 1998)
Landesentwicklungsgesellschaft NRW,

Masterplan Walled City: OMA Rem Kohlhaas ( Rotterdam)
Masterplan Industrielandschaft Zollverein: Agence Ter.de GmbH (Karlsruhe)
Skulpturenpark: Bildhauer Ulrich Rückriem (Düsseldorf)

Planungszeitraum: 1989 Aufnahme in die IBA 

Fläche / Größe: 24 ha , mehr als über 100 Ansässige Firmen

Welterbe Zollverein – Kokerei (Essen)

Projektträger: Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, IBA Emscherpark

Umbau und Sanierung: Jürg Steiner (Berlin) Heinrich Böll (Essen)
Lichtinszenierung: Speirs and Major Associates  (London, Edinburgh)

Planungszeitraum: 1998, Aufnahme in die IBA seit 1998

Fläche / Größe: 600 m lange Anlage

Bürger und Handwerkerpark Zeche Zollverein (Essen) 3/7/10

Bauherr: LEG Landesentwicklungsgesellschaft NRW GmbH

Städtebauliches Konzept: Grünflächen und Planungsamt Stadt Essen
Umbau: Hochbauamt (Essen), Manuel Reig (Mettmann), NIERMANN  Niermann Schicktanz Architekten (Gladbeck), WKM Landschaftsarchitekten WEBER KLEIN MAAS, (Düsseldorf)

Planungszeitraum: 1998/ 1990 Aufnahme in die IBA

Fläche / Größe: 3,5ha