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Der Emscher Landschaftspark

Strategisch steht der Emscher Landschaftspark für einen Wechsel im Umgang mit städtischer Natur: Von verbrauchten Restflächen zur bewussten Wertschätzung von Räumen und Gestaltung neuer Typen städtischer Kulturlandschaft. Mit diesem ersten Leitprojekt ging die IBA Emscher Park neue Wege in Planung, Dimension und Definition. Räumlich ging es um das Entdecken von Qualitäten, das Integrieren von scheinbar nutzlosem Raum, das Überwinden von Barrieren um die Neudefinition und Wertschätzung von Landschaft in der Agglomeration Ruhrgebiet zu ermöglichen. Das Verbinden vormals isolierter Landschaftsräume, das Qualifizieren einzelner Bereiche und Projekte im Sinne einer hohen ökologischen Funktionsfähigkeit sowie einer authentischen Gestaltung, stand als zweiter Schritt der Entwicklungen fest.

Das Ruhrgebiet präsentierte sich zu Beginn der IBA 1989 als zersiedelte Stadtlandschaft, als Funktionsraum für Industrie und nicht als urban gewachsene Stadtstruktur. Zwar reich an Frei- und Brachflächen, jedoch durch Autobahnen, Schnellstraßen, Bahnlinien, Wasserwege, Stromleitungen und Abwasserkanäle zerschnitten. Zahlreiche Flächen waren zudem durch Altlasten auf ehemaligen Industriearealen und Deponien belastet. Das Konzept des Emscher Landschaftsparks ging von dieser Realität aus und knüpfte zugleich an die Idee eines zusammenhängenden regionalen Landschaftsparks an, die Robert Schmidt als Direktor des Ruhrkohlebezirks 1912 formuliert hatte. In seiner Denkschrift über die Notwendigkeit eines Generalsiedelungsplans schlug er die Einrichtung eines „Nationalparks zwischen den Städten” mitten im damaligen Rheinisch-Westfälischen Industriebezirk vor.

Bevor die IBA Emscher Park den Emscher Landschaftspark in ihrem ersten  Memorandum zum Leitprojekt, „zum grünen Rückrat“ aller folgenden Planungen   ausrief, hatte Karl Ganser die Grundidee des Regionalparks 1987 bis 1988 in einer „Machbarkeitsstudie Emscher Landschaftspark” der damaligen Planungsabteilung des Kommunalverbandes Ruhrgebiet (KVR) untersuchen lassen. Die Realisierung – so war der Schluss – war zwar technisch möglich, aber praktisch unmöglich. Das geforderte Umdenken war zu groß. Ein mentaler Wandel war erforderlich. Die Stadt-Landschaft musste als „wertvoll“ definiert in die Köpfe der Planer und Entscheidungsträger übertragen werden.