Landschaftspark Duisburg-Nord
Duisburg
Wie können sich Industriebrachen in attraktive, grüne Freizeiträume verwandeln? Mit dem Landschaftspark Duisburg-Nord entstand im Rahmen der IBA Emscher Park ein neuartiger, mit Bezug auf die Region industriell geprägter Park mit Modellcharakter.
Ausgangspunkt ist das 1985 stillgelegte Thyssen-Hochofenwerk Duisburg-Meiderich mit einer Ausdehnung von 200 Hektar, umringt von Stadtteilen der Stadt Duisburg. In die Eisenherstellungsprozesse auf dem Gelände waren zur industriellen Blütezeit über 10.000 Arbeiter eingebunden. Als das Werk 1985 nach 82 Jahren geschlossen wurde, sahen der Eigentümer und die Stadt Duisburg kaum Chancen auf neue gewerbliche Ansiedlungen an diesem Standort. Die Fläche wurde geschlossen und funktionslos belassen. Kontaminationen verblieben großteilig auf der Fläche.
Auf Vorschlag der Stadt Duisburg und flankiert von einem Ankauf über den Grundstücksfond des Landes Nordrhein-Westfalen, konnte 1989 das Areal in die IBA Emscher Park eingebracht werden. Damit begann eine bis heute einmalige Entwicklung, die wegbereitend für viele andere Projekte der Transformation alter Industrieanlagen steht. Landschaftsarchitektenteams wurden auf das Gelände eingeladen, über zukünftige Nutzungsmöglichkeiten und Erscheinungsbilder der Fläche Ideen zu entwickeln.
Im Herzen des Parks liegt das ehemalige Hochofenwerk. Viele der vorhandenen technischen Anlagen, Gebäude, Gleisharfen und Infrastrukturen blieben im Rahmen des Projektes erhalten. Sie wurden mit Mitteln der Garten- und Landschaftsgestaltung nach Plänen des Landschaftsarchitekten Peter Latz (Kranzberg) ergänzt und umgestaltet in Szene gesetzt.
Realisiert wurde eine Mischung aus gestalteten und wilden Teilbereichen, die auch Raum für die Ausbreitung von Vegetation lässt. Eine Besonderheit ist der Einbau von abgeschlossenen Gärten, Sportanlagen und Spielplätzen in die alten Industriestrukturen. Heute haben sich verschiedene Vereine Teilbereiche des Parks angeeignet: Die meterdicken Betonmauern der ehemaligen Erzbunker werden intensiv als Klettergarten genutzt, der Gasometer – mit 20.000 m³ Wasser gefüllt dient als Tauchparadies. Die Hochofenabstichebene wird regelmäßig als offene Theater-, Opern- und Filmbühne und die ehemaligen Gasturbinen- und Maschinenhallen als Theater- und Veranstaltungsräume genutzt.
Seit 1996 taucht eine Lichtinstallation des britischen Ingenieurs Jonathan Park die nächtliche Hochofenkulisse in eine vielfarbige Ilumination. Gleichzeitig ist ein Hochofen als 70 m hohe, begehbare Aussichtsplattform erschlossen. Ein wichtiges Teilprojekt des Landschaftsparks ist der Umbau der Alten Emscher, die über Treppen und Stege zugänglich gemacht wurde. Der Gewässerumbau ist eines der ersten Referenzprojekte für den ökologischen Gewässerumbau des Emschersystems.
Mit dem Abblauf der IBA Emscher Park wurde der Park über Nutzungskonzepte und Anfrage weiterentwickelt. Unterschiedliche Gebäudekörper und Arealbereiche fanden neue Nutzungen. Die ehemaligen Gebläse- und Gießhallen wurden als Veranstaltungsorte durch die Ruhrtriennale, einem mehrjährigen Kulturprogramm des Landes, technisch und baulich weiterqualifiziert. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Hüttenwerks entstand ein Jugend- und Ausbildungshotel. Seit 2007 wird der Bahnhof auf dem Gelände für den touristischen Eisenbahnverkehr, der Emscher Park Eisenbahn, genutzt. Der Park ist zu einem Kultur und Freizeitpark heran gewachsen, der ganzjährig und kostenlos für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Er zählt jährlich rund 700.000 Besucher.
Landschaftspark Duisburg Nord
Bauherr/ Investor: Landschaftspark Dusiburg-Nord GmbH der Stadt Duisburg,
LEG Landesentwicklungsgesellschaft NRWLandschaftsarchitektur: LATZ + Partner, Peter Latz (Kranzberg)
Hochbau: Peter A. Poelzig (Duisburg), Pahl + Weber-Pahl (Darmstadt), Bahr und Spitzenboom ( Düsseldorf), Baucoop Arthur Mandler ( Köln), Düster & von Büttner (Duisburg), Günter Lipkowsky (Oberhausen)
Lichtdesign: Jonathan Park – Fischer Park (London)
Dach an der Gießhalle: Schlaich Bergermann und Partner SBP, Jörg Schlaich (Stuttgart)
Planungszeitraum: 1989 Projektaufnahme in die IBA
seit 1994 Öffnung des Parkgeländes
Fläche / Größe: rd. 200ha






