Industriekultur
Ein wichtiges Element des Strukturwandels des Ruhrgebiets besteht in der Wiederentdeckung der eigenen Vergangenheit. Die Auseinandersetzung mit der industriellen Geschichte und somit der Genese der Region, führte unweigerlich zur Auseinandersetzung mit deren gebauten Zeugen. Zu Beginn dieser Auseinandersetzung war die Wertigkeit dieser Zeugen als Zeichen des Niedergangs in der Öffentlichkeit negativ besetzt. Abriss, war die häufig gestellte Forderung, Verdrängen der „dreckigen Geschichte“ stand als Zielvorstellung.
Für die Neudefinition der gebauten Vergangenheit als etwas Wertvollem erlangte der Begriff Industriekultur eine besondere Bedeutung. Die Sicherung, Auseinandersetzung und Präsentation des Gegebenen ließ einen neuen Zugang auf die Geschichte zu. Die Öffnung und Erschließung der ehemaligen Industrieareale ermöglichte neue Formen der öffentlichen Auseinandersetzung in Situ.
Heute steht die Industriekultur als ein Alleinstellungsmerkmal der Region und wird als touristisch wertvoll begriffen. Industriellhallen sind zu spannenden Orten der Kunst und Kultur mutiert, industrielle Großmaschinen werden mit skulpturalen Attributen umschrieben, Orte des industriellen Arbeitens und Lebens werden museale Charakterzüge attestiert und scheinbar funktionsorientierte Industriearchitekturen können in einem neuen Selbstverständnis als Firmensitz repräsentativ wirken. Sie hat maßgeblichen Anteil an neuen Formen der Identifikation mit dem Raum, der Region und der Geschichte.

