Der Bau als Kunstform, als Symbol der Moderne und als gesellschaftliches Ereignis. Stadtbilder werden wachsen und warten auf ihre Wiedererweckung. Der Radius wird grösser: Eine ganze Region baut sich um, mit Landschaften, die menschliches Mass und Gesicht zurückerhalten. Und neuen Perspektiven der Stadt als lebenswertem Ort und als Metropole der Zukunft.
Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010
Stadtumbau als Bürgerprojekt
Demografischer Wandel
Deutschland liegt in der europäischen Geburtenstatistik vor Italien an vorletzter Stelle. Ein weiterer Schrumpfungsfaktor bezieht sich auf den wirtschaftlichenStrukturwandel, der insbesondere Ostdeutschland nach dem politischen Systemwechsel im Zeitraffer traf. Tausende Betriebsschließungen und ein sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit führten zur Abwanderung vor allem junger und qualifizierter Menschen in wirtschaftlich stärkere westliche Bundesländer und ins Ausland. Außerdem steigt der Altersdurchschnitt der Stadtbevölkerung. Hinzu kommt hier die 1990 einsetzende Umlandzersiedelung: Viele Familien zogen aufs Land, immer mehr Innenstädte sind von Leerstand und Wertverlust betroffen. Diese Schrumpfungsprozesse erfordern ein kommunalpolitisches Umsteuern: Nur ein radikaler und konsequenter Stadtumbau kann die Probleme von Leerstand, Verfall und finanziellem Notstand der Kommunen lösen.
Neue Perspektiven für Städte im Umbruch
Um diesen Prozess anzustoßen, hat sich die - Landesregierung zur Durchführung der IBA Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 entschlossen, die von der Stiftung Bauhaus Dessau und der Landesentwicklungsgesellschaft SALEG organisiert wird. Als erste Internationale Bauausstellung in Deutschland befasst sie sich mit einem ganzen Bundesland. 17 Städte in Sachsen-Anhalt sind mit ihren spezifischen Themen an der IBA beteiligt. Ziel dieser IBA ist es, auf staatlicher und kommunaler Ebene in Sachsen-Anhalt eine besondere Expertise für die Praxis des Umbaus zu erstellen und dabei modellhafte Projekte der Stadtentwicklung unter den Bedingungen des demografischen Wandels und wirtschaftlicher Transformation zu erarbeiten. Im Abschlussjahr 2010 sollen in den IBA-Städten exemplarische Lösungen für den Stadtumbau zu besichtigen sein, die auch auf andere Städte und Regionen übertragbar sind.
Instrumente und Methoden der IBA Stadtumbau 2010
Im Zentrum der Arbeit stehen inhaltliche Unterstützung und Beratung der beteiligten Städte bei der Weiterentwicklung und Umsetzung ihrer Ideen. Zu den zentralen Instrumenten und Methoden der IBA gehören u. a. Bürgerbeteiligung, öffentliche Aktionen sowie unterschiedlichste dauerhafte und temporäre künstlerische und architektonische Interventionen im Stadtraum. Dazu werden neue, auf die jeweiligen Gegebenheiten abgestimmte Methoden der Finanzierung, des Flächenmanagements, der Raumplanung und der Planungskultur entwickelt. Zu einer wichtigen Plattform für den Erfahrungs- und Ideenaustausch hat sich das IBA-Städtenetz entwickelt sowie der IBA STADT MONITOR. Jenseits gesetzlicher Regularien werden vor allem informelle Instrumente und Arbeitsweisen eingesetzt, da die Situation des Umbruchs undogmatische und spezifisch angepasste Strategien und Handlungskonzepte erfordert.


