Der Bau als Kunstform, als Symbol der Moderne und als gesellschaftliches Ereignis. Stadtbilder werden wachsen und warten auf ihre Wiedererweckung. Der Radius wird grösser: Eine ganze Region baut sich um, mit Landschaften, die menschliches Mass und Gesicht zurückerhalten. Und neuen Perspektiven der Stadt als lebenswertem Ort und als Metropole der Zukunft.
Fürst-Pückler-Land 2000-2010
Werkstatt für neue Landschaften
Situation
Der 150-jährige Abbau der Braunkohle und deren Nutzung prägten die Niederlausitz nachhaltig. Verwundete Landschaften und verlassene Industriebauten blieben, nachdem die wirtschaftlichen Entwicklungen im ehemaligen Energiezentrum der DDR mit der politischen Wende plötzlich gestoppt wurden. 17 Tagebaue kamen in der Lausitz ab Anfang der neunziger Jahre zum Stillstand und damit stellte sich für viele Gemeinden die Frage, wie man mit den riesigen Restlöchern umgehen und wie es überhaupt weitergehen sollte.
„Landschaft“ steht im Mittelpunkt
Ortsansässige Planerinnen und Planer sowie Studenten entwickelten die Idee einer „IBA von unten“ – zunächst für den Raum zwischen Großräschen und Senftenberg. 1999 fiel dann der Startschuss für die IBA Fürst-Pückler-Land mit Projekten in der gesamten Niederlausitz. Ihre Finanzierung erfolgt im Rahmen der Braunkohlesanierung über Bundes- und Landesmittel. Namensgeber dieser Bauausstellung ist Hermann Fürst von Pückler-Muskau, der mit seinen Landschaftsgärten in Bad Muskau und Branitz Anfang des 19. Jahrhunderts in der Lausitz viel beachtete Meisterwerke der Gartenkunst schuf.
Die IBA verleiht diesem gewaltigen Landschafts- und Strukturwandel ökonomische, ökologische und gestalterische Impulse: Industriedenkmäler werden erhalten und neu genutzt, Stadtumbauprojekte gefördert und die Mondlandschaften des Braunkohleabbaus touristisch erschlossen.
Die größte Landschaftsbaustelle Europas befindet sich mittlerweile hier in der Lausitz. Das einstige Braunkohlerevier wandelt sich sichtbar zum Lausitzer Seenland: Aus Tagebaugruben wird Deutschlands außergewöhnlichste Wassertourismusregion und Europas größte künstliche Seenlandschaft mit rund 30 Seen und ca.14.000 Hektar Wasserfläche. Die Hälfte davon wird derzeit mit schiffbaren Kanälen und hunderten Kilometern Rad- und Skaterwegen miteinander verbunden. Schwimmende Häuser werden zu einer überregionalen Attraktion.
Ein Leuchtturmprojekt ist die Abraumförderbrücke F60 in Lichterfeld, die als begehbares Besucherbergwerk und für Kunstaktionen erhalten bleibt. Erinnerungs- und Veranstaltungsort ist beispielsweise auch das skulpturale Ensemble der Biotürme der ehemaligen Großkokerei Lauchhammer.
Mut machende, individuelle Lösungen
An verschiedenen Standorten entstehen weitere markante touristische Angebote, die sich gegenseitig ergänzen und durch ihre Einmaligkeit die Besonderheit dieser künstlichen Seenlandschaft widerspiegeln. Die Lausitzer Wasserwelt entwickelt sich zudem mit dem Markenzeichen „Schwimmende Architektur“ als Modell für die Dienstleistungsgesellschaft der Zukunft, wo neue Wohn- und Arbeitsformen in der Landschaft erprobt werden. Träger dieser Entwicklung sind Zweckverbände sowie private Investoren. Das neue Lausitzer Seenland wird damit zu einem wirtschaftlich effektiven Pfeiler in der Region.



