Der Bau als Kunstform, als Symbol der Moderne und als gesellschaftliches Ereignis. Stadtbilder werden wachsen und warten auf ihre Wiedererweckung. Der Radius wird grösser: Eine ganze Region baut sich um, mit Landschaften, die menschliches Mass und Gesicht zurückerhalten. Und neuen Perspektiven der Stadt als lebenswertem Ort und als Metropole der Zukunft.
Ruhrgebiet: IBA Emscher Park
Zukunft für eine Industrieregion, 1989 - 1999
Die Situation: Wandel ohne Wachstum?
Vor mehr als 150 Jahren erfasste die Montanindustrie die Landschaft an der Emscher, hat sie überrollt, verbraucht, zerstört. Brachflächen und verlassene Industriegebäude bezeugten in den 80er und 90er Jahren das Ende des Mythos vom Reichtum durch Schwerindustrie. Doch: welche Chancen gibt es für den ökologischen und ökonomischen Umbau einer alten Industrieregion? Dieser Frage hat sich die Internationale Bauausstellung IBA Emscher Park gestellt.
Die IBA Emscher Park: Werkstatt für die Erneuerung alter Industrieregionen
Um der Region „zukunftsweisende Impulse“ zu geben, rief die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen im Jahr 1989 die „Internationale Bauausstellung Emscher Park“ ins Leben. Sie tritt an mit dem Ziel, einer Region von 17 Städten, 70 Kilometern Länge und 15 Kilometern Breite konzeptionelle und praktische Impulse für den ökologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Umbau zu geben. Im Gegensatz zu früheren Ausstellung gehen die Projekte der IBA Emscher Park weit über die Themen „Wohnen“ und „Stadt“ hinaus.
Folgenden Themenbereichen hat sich die IBA gewidmet und über 100 Projekte umgesetzt:
Der Emscher Landschaftspark: Auf 75 Kilometer Länge quer durch die Region gibt es gut 50 Projekte, die dieses Grünprojekt hinterlegen. Die Industrienatur umfasst Zechenwälder und künstlerisch gestaltete Halden. Dazu gehören unter anderem auch Radwegeverbindungen und beispielhafte Parks. Erstmals in der Geschichte der Bauausstellungen rückt das Thema „Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur“ derart stark in den Vordergrund
Ehemalige Industriegebäude werden zu einzigartigen Veranstaltungsorten und touristischen Zielen. Die Industriekultur ist mittlerweile ein Markenzeichen der Region, der dichtesten Kulturlandschaft Europas. Ehemalige Industrieanlagen sind Standorte der Kultur, des Freizeitsport und des Events.
Zukunftsqualität erhält die Region auch durch zeitgemäße Wohnprojekte mit folgenden Schwerpunkten: Sicherung im Bestand, besonders in den Arbeitersiedlungen mit gartenstädtischen Qualitäten, Innovationen mit neuem Bauen auf Brachflächen.
Angebote für Arbeitsplätze entstanden dort, wo auch bisher Arbeitsplätze waren - jedoch mit neuen Ansprüchen ihrer Gestaltung, auf alten Industrieflächen entstehen neue Gewerbe- und Dienstleistungsstandorte.
Lernen von der IBA?
Die IBA Emscher Park stand Pate für ein weitere Strukturprogramme des Landes NRW: die „REGIONALEN“, die mit ganzheitlichen Entwicklungsprogrammen Impulse für die Zukunft von Regionen freisetzen sollen.
Sie eröffnete zudem neue Wege für einen spezifischen „Wandel durch Kultur“ der im Wettbewerb um den Titel der „Kulturhauptstadt Europas 2010“ auch international überzeugt hat.
Weltweit gibt die IBA Emscher Park damit Orientierungen für einen neuen Umgang mit alten Industrieregionen- und anlagen.


