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Entscheidung: Internationaler Wettbewerb zum Information Design

"Wer den Menschen rasch etwas mitteilen will, bedient sich am wirksamsten optischer Mittel." Otto Neurath, 1930

Wettbewerb zum Information Design entschieden

Gesucht wurde nach grafischen Aufbereitungen komplexer aktueller Zusammenhänge aus u.a. den Bereichen Stadtentwicklung und „globale Wirtschaftsströme“. „OUT OF BALANCE – KRITIK DER GEGENWART. Information Design nach Otto Neurath“ lautete der Titel des Wettbewerbs. 180 Arbeiten aus 18 Ländern wurden eingereicht, je sechs Preise der 1. und 2. Kategorie und fünf Anerkennungen wurden vergeben.
Schon im Vorfeld hatten sich fast 500 Teilnehmer - Teams aus Designern, Architekten, Wissenschaftlern/Studierenden aus den Bereichen Planung, Kultur und Ökonomie - für diesen komplexen Wettbewerb registrieren lassen, um grafische Darstellungen zu selbst gewählten Themen zu erarbeiten.
Insbesondere folgende Gegenwartsthemen wurden in den Grafiken verarbeitet und dargestellt:
- Umweltverschmutzung und ökologischer Fußabdruck in Wohlstandsgesellschaften
- soziale Spaltung der Gesellschaft infolge wachsender Einkommensdisparitäten
- sozialräumliche Segregation
- öffentliche Aufgaben: Versorgung mit Bildung, medizinischer Betreuung und sozialem Wohnraum und den unterschiedlichen Gesellschaften
- politische Aufklärung, Beteiligung

Erstaunlich bei allen Arbeiten war, dass die Teams – 62% Studierende, der Rest freischaffende Büros - eigentlich wenig das technische Potenzial der neuen Medien nutzen. Zumeist klassische zweidimensionale grafische Lösungen wurden präsentiert, weniger komplexe Rechner-Animationen. Den Informationsgrafiken gemein war, dass sie empirische Fakten so „verpackten“, dass so etwas wie eine Geschichte erzählt wurde.

Beispiele (s. Motive rechts)
1.Preiskategorie für die Arbeit „Fühl Dich zuhause in Deinem Zuhause“: Ausgrenzung ist immer eine Folge von Ungleichheit – das haben Eleonore Harmel und Matthias Burke (TU Berlin) anschaulich verpackt. Wie in einem Möbel-Katalog werden Selbstschutzanlagen – Mauern, Barrieren, Zäune – angeboten. Ihre Grafik weist mit böser Ironie auf das Wohlstandsgefälle hin.
2. Preiskategorie für „Bradford: Liquid Mixotopia“ von einem Team der Manchester School of Architecture. Es geht um die soziale Spaltung der Stadt, die im Jahr 2001 zu Spannungen zwischen der weißen Mehrheit und den ethnischen Minderheiten führte. Die Darstellung ist vielschichtig: Das Punktebild kartiert die „Gruppenräume“: 1 Punkt steht für 3 Individuen. In drei Karten wird die ethnische, soziale und altersgemäße Differenzierung im Stadtraum gezeigt.
3. Eine Anerkennung ging an das Team der Weißensee Kunsthochschule Berlin für die Grafik „Ödland“. Dabei geht es um die Darstellung der Grundwerte (u.a. Kirche, Familie, Freunde, Freiheit, Priorität für den Job, aktives Handeln) für das Leben in unterschiedlichen Nationen. Nicht zuletzt die wachsende Individualisierung und die damit zusammenhängende Einsamkeit und Isolation wollte das Team vermitteln.

Der Grund
für diesen ungewöhnlichen Wettbewerb: Die digitale Welt hält unendlich viel Information für uns bereit. Doch durchschaubarer wird die Gegenwart trotzdem nicht. Vielmehr scheint das Verständnis für grundlegende Relationen und Prozesse  zu schwinden - die digitale Unübersichtlichkeit bringt keine größere Transparenz. Der Wettbewerb suchte nach klaren Vermittlungsformen von Zusammenhängen. Die sind nötig, um in der sich verändernden Welt anspruchsvolle, aufklärende Kommunikation zu ermöglichen. Gesucht wurde daher nach Darstellungsformen, die dem Information Design nach dem Wissenschaftler Otto Neurath (1882-1945, Wien/Oxford) entsprechen. Neurath hat sich insbesondere der „bildhaften Pädagogik“ verschrieben. Mit seiner Methode der Bildstatistik entwickelte er effektive Formen der visuellen Aufbereitung von Inhalten, um Zahlen „zum Sprechen“ zu bringen. Beim Information Design geht es nicht nur um Abbildung oder Sammlung von Daten, sondern um Aussagen, die Einsichten geben und Zusammenhänge beschreiben. Und damit um Aufklärung und Befähigung der Teilnahme an demokratischen Prozessen.

Ausgelobt wurde der Wettbewerb von der Zeitschrift ARCH+ und der Stiftung Bauhaus, unterstützt wurde das Ganze unter anderem vom M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW. Mitte des Jahres wird eine Sonderausgabe von ARCH+ erscheinen, die den Wettbewerb aufarbeitet. Angedacht ist zudem eine Ausstellung.

Alle Arbeiten und Würdigungen im pdf OOB rechts.

 

Ein Blick in Otto Neuraths Isotype-Welt. Aus: Hartmann/Bauer:Bildersprache

Arbeit "Fühl dich zuhause in deinem Zuhause"

Arbeit: Bradford:Liquid Mixotopia

Arbeit Ödland